Bushaltestellengeschichten

In der alten japanischen Hauptstadt Kyoto schaut man sich traumhafte Paläste, Gärten, Tempel, Schreine und Pagoden an. Das haben wir auch getan. Bilder davon gibt es unter dem Beitragsendewunsch.

Mir gefällt aber dieser Schnappschuss über eine sechsspurige Straße besonders.

Wir sehen eine Bushaltestelle im Herzen Kyotos. Es ist spannend, was man auf diesemo zufälligen Foto entdecken kann.

Es ist Montagvormittag. Das Pärchen rechts ist traditionell gekleidet. Sie wischt ihm vermutlich den Schweiß ab. Was haben sie noch vor? Die linke Dame auf der Bank wedelt sich typisch japanisch mit einem Fächer Luft zu. Es ist heiß. Die Mutter mit dem Jungen links schaut auf den Wasserspender. Bestimmt wollen sie ihre Trinkflaschen auffüllen.

Oben aus der waagerechten Wasserleitung versprüht die Stadt Kyoto Wasserdampf. Ob der Wassernebel der Erfrischung oder aber als eine Art Schutzschild gegen den Autosmog dient, wissen wir nicht genau.

Die Bushaltestellen auf dem Land sind übrigens einfacher gehalten.

Auf unseren sonstigen Radtouren haben wir für Rasten oft und gerne Bushaltestellen genutzt. In Japan haben wir eine andere Strategie. Davon später mehr.

Bitte bleibt neugierig.

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Über sieben Brücken musst du geh’n – der Shimanami Kaido

Was haben wir uns noch für unsere Japanreise gewünscht?

6. Wir fahren auf einer der schönsten Radrouten der Welt – dem Shimanami Kaido (しまなみ海道)

Dieser Weg verbindet die Inseln Honshu und Shikoku über insgesamt sieben Brücken miteinander. Sechs Inseln liegen dazwischen.

Der Weg beginnt in Onomichi, ist 75 km lang und durchgehend mit einer am linken Straßenrand entlang führenden blauen Linie versehen, auf der nach jedem Kilometer angegeben wird, wie weit es noch bis zum Ziel in Imabari ist.

Als wir in Onomichi ankommen, fahren wir mit der Fähre zur ersten Insel Mukaishima und damit auch zum Startpunkt des Radweges. Damit wurden wir an der Onomichi-Brücke vorbei geleitet und so waren es nur sechs Brücken.

Nach einigen Kilometern konnten wir dann die erste für uns zu überquerende Brücke sehen, die Innoshima-Brücke. Diese Brücke wurde 1983 als erste Hängebrücke der Honshu-Shikoku Brücken fertiggestellt. Die mittlere Spannweite der Brücke war mit 770 m zu dieser Zeit die längste in Japan.

Als Radfahrer fährt man auf einer etwa 1 km langen Strecke mit 3%-iger Steigung gemächlich nach oben auf die Brücke. Das Besondere hier ist, dass man eine Ebene unter der Fahrspur für die motorisierten Fahrzeuge nutzt, die man sich nur mit den Fußgängern teilen muss. Natürlich trällerten wir hier ganz ungestört den Refrain von „Über sieben Brücken musst du geh’n“.

Nach einer genauso gemächlichen Abfahrt erreicht man Innoshima als zweite Insel. Der Weg führt am Meer entlang, man radelt durch kleine Ortschaften und selten wird man von einem Auto überholt. Es ist ein Genuss, hier Rad zu fahren und es dauert nicht lange, bis die nächste Brücke erreicht ist.

Die Ikuchi-Brücke wurde 1991 fertiggestellt. Diese Brücke war nach ihrer Fertigstellung die längste Schrägseilbrücke der Welt. Auf- und Abfahrt verlaufen ähnlich wie bei der ersten Brücke, nur dass man bei dieser und den nächsten Brücken neben den motorisierten Fahrzeugen auf einer eigenen Spur entlang geleitet wird. Jede der folgenden Brücken war zur Zeit ihrer Fertigstellung eine architektonische Meisterleistung und es macht Spaß, darüber zu fahren und die Aussicht zu genießen.

Als Radfahrer darf man – im Unterschied zu den Autos – natürlich jederzeit anhalten und die Eindrücke festhalten.

Am Ende des Tages haben wir mit einem Schlag sieben neue Inseln „erfahren“. Damit sind es jetzt insgesamt neun und wir nähern uns der Gesamtzahl der japanischen Inseln in großen Schritten. Ach ja, es fehlen nur noch 6843. Und obwohl der Radweg oft am Meer entlang verläuft, sind es etwa 1000 Höhenmeter, die man auf dem Weg nach Imabari „erklettert“.

Es gibt den Shimanami Kaido auch als Jedermann-Radsportveranstaltung. Dabei kann zwischen den Streckenlängen 70 km und 100 km gewählt werden. Hierbei benutzt man allerdings die Fahrspuren auf den Brücken. Das gemütliche Rad“rennen“, bei dem von den Teilnehmern auch viel fotografiert wird, ist bestens organisiert, denn seit Tokio Ausrichter für die Olympischen Sommerspiele 2020 wurde, erhielt das Radfahren in Japan neue Popularität.

Nach dem Duschen haben wir uns noch Imabaricastle angesehen. Nach dem Dunkelwerden übte hier eine Trommlergruppe und wir waren alleinige Besucher des Konzertes.

Mal sehen, ob wir noch mehr Inseln erradeln. Außerdem wartet auch noch die alte Kaiserstadt Kyoto auf uns.

Bitte bleibt neugierig.

<– zurückeinen Tag weiter —>

Die exakten Karten mit GPX-Track ergänzen wir zu Hause, wenn wir wieder die technischen Möglichkeiten haben.

Sehenswürdigkeiten in Japan

Unser Blick aus dem Hotelzimmer sieht so aus.

Der Antennenturm gehört bestimmt NTT. Wir haben diese Art von Türmen bisher in fast jedem Stadtzentrum gefunden. Die Architektur in den Städten übrigens auch. Hübsch ist anders.

Sehenswert sind die wirklich alten Dinge. Da wäre zum Beispiel die Brokatschärpenbrücke oder Kintai-Bridge.

Die Brokatschärpenbrücke ist eine knapp 500 Jahre alte Holzbogenbrücke. Sie ist super anzusehen und schwer zu laufen.

Wir haben, sagen wir einfach mal, 10 Wünsche in Japan.

1. Wir wollen einen Buddhistischen Tempel sehen.

Alle paar Kilometer liegen die Tempel am Wegesrand. Den Jodoshu Shokaku Temple haben wir uns dann etwas genauer angeschaut.

2. und 3. konnten konnten wir uns schon hier erfüllen

4. Wir besuchen Miyajima, die Schreininsel.

Auf der vielbefahrenen Straße 2 radeln wir bis direkt an den Fähranleger. Dort haben wir ein Hotel gebucht. Wir checken ein und duschen uns das Staubschweißsonnencremegemisch von der Haut. Vor dem Zimmer sehen wir das Ballett der vier Fähren. Sie fahren tagsüber alle 15 Minuten nach Miyajima. Frau Traumradlerin drängt. „Die Sonne scheint. Wer weiß, ob es nicht morgen regnet, also los!“

Bereits vom Wasser machten wir die ersten Fotos vom Torii des Itsukushima Shinto- Schreins.

Wir haben Niedrigwasser. Bei Flut stehen das Torii und das ganze Kloster im Wasser. Wir wollen und können aber für ein solches Foto nicht bis Mitternacht warten.

Das eigentliche Kloster haben wir uns natürlich angeschaut.

Auf der Insel gibt es viele zahme Sika-Hirsche. Sie haben keine Scheu vor uns Touristen. Cool.

Morgen wollen wir die gut 20 Kilometer nach Hiroshima radeln und uns Wunsch Nummer 5 erfüllen.

5. Wir besuchen den Friedenspark in Hiroshima.

Ich glaube, das wird beindruckend.

Bitte bleibt neugierig.

<– zurück —— nach Hiroshima –>

Die exakten Karten mit GPX-Track ergänzen wir zu Hause, wenn wir wieder die technischen Möglichkeiten haben.

Reise, Reise – Kyūshū

Welches sind die ersten Dinge, die wir in einem fremden Land organisieren? Wir benötigen Geld und einen Internetzugang.

Beides bekommen wir direkt nach der Ankunft auf dem Flughafen. Ein Geldautomat versorgt uns mit einer ersten Basisauswahl der einheimischen Tauschpapiere. Eine nette Dame an einem Telekommunikationsstand nimmt das Handy von Frau Traumradlerin auseinander. Zuerst testet sie, ob es sich um ein „gelocktes“ Handy handelt. Dann setzt sie uns geschwind eine SIM-Karte mit 5 Gigabye Datenvolumen für 5.000 Yen (ca. 40 Euro) ein. Nnachun sind wir für das Unbekannt gerüstet.

Uns fallen die Reisfelder auf. Überall pflegen die Japaner ihren Reis.

Wir haben eine Reihe von Wünschen, die wir mit Japan verbinden.

1. einen Buddhistischen Tempel anschauen

Die ersten Fotos von einem buddhistischen Tempel sind aus Ogumi.

Bestimmt geht in dieser Beziehung noch mehr. Der Buddhismus stammt aus Indien und ist nach Christentum, Islam und Hinduismus die vierte große Weltreligion.

Wieder ging es steil in die Berge. Wir kommen in ein Gebiet voll mit heißen Quellen.

2. in einem Ryokan übernachten

Ein Ryokan ist ein japanisches Gasthaus. Die Böden der Zimmer sind mit Tatami-Matten ausgelegt, die Schiebetüren (Shoji) mit Washi bespannt und man schläft auf einem Futon. Wir übernachten in はんなりおやど 龍泉閣. Unser Zimmer sah dann tatsächlich so aus. Grandios. In einem Ryokan trägt man Kimono, was man bei genauem Hinschauen sehen kann. Sah lustig aus.

Eigentlich müssten die Japaner bei der Sitzkultur „Knie haben“. Kann mir bitte jemand hoch helfen?

3. in einem Onsen baden

Ein Onsen ist ein Bad, welches von einer natürlichen Quelle mit heißem Wasser gespeist wird. In unserem Ryokan sah der Onsen so aus. Hinter der Glastür gab es auch einen Außenbereich mit einer heißen Quelle.

Um den Onsen nicht zu verschmutzen, reinigt man sich auf der linken Seite vor dem Baden sehr gründlich. Das Wasser war so heiß, das man gerade so noch hinein gehen konnte.

Am nächsten Morgen wurden wir herzlich verabschiedet.

Wir radelten wieder durch die Bergwelt von Kyūshū. Unser Tagesziel war die Fähre von Taketazu nach Tokuyama.

Mal sehen, was wir auf Honshu, der größten japanischen Insel erleben. Bitte bleibt neugierig.

<– Anreise —– weiter auf unserer Reise –>

Reise, Reise – にほん

Wenn wir unsere Fahrräder mit in den Urlaub nehmen, ist es einfach, wenn wir sie direkt für die Anreise nutzen. Wir packen die Radtaschen, klicken sie an die Gepäckträger, steigen vor der Haustür auf und radeln los. Ganz leicht.

Das klappt aber nicht, wenn unser Ziel weit weg ist. In diesem Jahr wollen wir das Land besuchen, in dem die Sonne aufgeht.

Im Februar fiel die Entscheidung. Wir haben bei Lufthansa die Flüge inklusive Fahrradmitnahme gebucht.

Der Termin kam näher und das Verpacken der Räder stand auf der Agenda.

Eine liebe Nachbarin fährt uns und die zwei Kartons zum Bahnhof. Unsere Reise beginnt. Mit der DB geht es pünktlich zum Flughafen. Es läuft.

Unser Flugplan:

Leipzig – Frankfurt

Frankfurt – Tokio Haneda

Tokio Haneda – Kumamoto

Ich hatte ganz schön Sorge, dass dabei was schief gehen könnte. Aber was soll ich euch sagen, die Sorge war begründet.

Zuerst gab es Wind in Frankfurt. Unser Flugzeug kommt in Leipzig mit einer guten Stunde Verspätung an. Als wir dann einsteigen wollten, bildete sich eine Traube um ein Triebwerk. Ein Geier oder ähnliches Fluggetier hatte mit dem Flieger ein Treffen. Das arme Tier hat verloren und wurde nun von dem einen Mitarbeiter der Lufthansa Technik auf dem Leipziger Flughafen aus dem Triebwerk entfernt. Großes Kino. Mit drei Stunden Verspätung startet unser erster Flug. In Frankfurt hieß es rennen. Wir erreichen ein Flugzeug der ANA. Es startet nur knapp drei Stunden später, als unser ursprünglicher Flug. Super. ANA steht übrigens für All Nippon Airways.

Nach 11 Stunden steht eine Mitarbeiterin der ANA mit einem Schild mit unseren Namen am Gate. Wir sind in Tokio, aber unsere Räder haben es nicht geschafft. Was tun? In diesem Moment verpassen wir unseren umgebuchten zweiten Flug nach Kumamoto. Das ist kein Problem in zwei Stunden geht der nächste Flieger. Wir verabreden mit den inzwischen drei hübschen ANA-Mitarbeiterinnen, dass wir jetzt 18:20 Uhr nach Kumamoto fliegen dort in Flughafennähe schlafen und morgen um 11:30 Uhr unsere Fahrradboxen am Flughafen abholen. Ob das klappt?

Ja hat es hat geklappt. Bereit um 11 Uhr haben wir unsere Räder. Jubel.

Nach einer knappen Stunde geben wir die leeren Kartons am ANA-Schalter ab. Unsere Radtour in ein unbekanntes und exotisches Land beginnt.

Kumamoto liegt auf der südlichen Hauptinsel Kyūshū. Auf Kyūshū herrscht ein weitgehend subtropisches Klima. Die Insel ist bekannt für ihre aktiven Vulkane, Strände und Thermalquellen. Mal sehen, was wir erleben werden.

Wir freuen uns auf unseren ersten Shinto Schrein. Bitte bleibt neugierig.

zur ersten Etappe

Alter Stahlrahmen bekommt eine zweite Chance

Am 9. Januar war es mal wieder so weit. Das Arbeitsweg- und Alltagsfahrrad von Frau Traumradlerin wurde trotz teurer Schlosstechnik wieder einmal gestohlen. Das ist echt ärgerlich. Unsere Versicherung zahlte den kompletten Schaden, schrieb uns aber ein paar Tage später einen Brief, in dem sie auf ihre Verantwortung den anderen Versicherten gegenüber hinwies und uns beim nächsten Versicherungsfall die Kündigung androhte. Na prima!

„Wenn ich mir von dem Versicherungsgeld wieder ein schönes neues Fahrrad und ein teures Schloss kaufe und es wieder vor der Arbeitsstelle abstelle, werden sich nur wieder die Diebe über den Nachschub freuen.“ meinte Frau Traumradlerin. „Wir haben doch noch einen alten Stahlrahmen im Keller.“

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„Wenn der alte Rahmen eine individuelle Lackierung bekommt, ist er vielleicht für die Diebe nicht mehr attraktiv. Man könnte ihn ja vielleicht himmelblau mit ein paar weißen Wölkchen bemalen.“

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Für die Lackierarbeiten kaufte ich eine Dose blauen Buntlack. Weißen Lack und eine Dose Klarlack fand ich noch im Keller.

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Der Plan für den Aufbau eines neuen „Traumradeln-Fahrrades“ ist geboren. Aus Schrott wieder etwas Funktionierendes machen, ob das gelingt? Passen die nötigen neuen Teile an einen alten Rahmen? Wir sind selber gespannt.

Bitte bleibt neugierig.

Es gibt zu viele Ghost Bikes!

Es ist schon ein paar Tage her, da schrieb ich über ein trauriges Thema – über „Ghost Bikes“. Ein „Ghost Bike“ oder Geisterrad ist ein weiß gestrichenes Fahrrad, welches als Mahnmal für im Straßenverkehr verunglückte Radfahrer aufgestellt wurde. Die Idee zu den weißen Fahrrädern an Unglücksorten entstand 2003 in St. Louis (Missouri).

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Ghost Bike Auffahrt Magdeburger Ring

An der Schnellstraßenauffahrt auf dem Bild oben starb am 14. April 2008 ein junger Mann durch einen rechtsabbiegenden LKW. Der Radfahrer fuhr über die grüne Ampel geradeaus und der LKW bog rechts ab. Kurz nach dem Unfall kam ich zufällig dazu. Ich sah noch den LKW und die abgesperrte Unfallstelle.

„Ghost Bikes“ gibt es inzwischen in vielen Städten. In München soll es sieben Geisterräder geben. In Berlin und Dresden habe ich jeweils eins fotografiert.

Ein weißes Fahrrad ist eine gute Idee an rücksichtsvolles Fahren zu appelieren. Auch ich bin Autofahrer und will bei jedem Abbiegevorgang an den Schulterblick denken. Jedes dieser stillen Mahnmale ist eines zu viel.

Gibt es auch bei euch „Weiße Fahrräder“? Falls ihr ein Foto von einem Geisterfahrrad habt, könnt ihr es uns gerne schicken oder im Kommentar verlinken. Wir würden uns freuen.

Bitte fahrt, egal ob mit oder ohne Motor, immer rücksichtsvoll und bleibt neugierig.