Besuch in der „Karl-Marx-Stadt“

Aus Luxemburg kommend radeln wir nun in die Stadt, die Karl Marx ihren bekanntesten Sohn nennt.

Wie kein anderer hat Karl Marx die atemberaubende Dynamik seiner und wohl auch unserer Zeit analysiert und beschrieben.

Er erkannte die sich ständig weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich. Wer arm ist, hat nur die Chance seine Arbeit zu verkaufen. Er trägt damit zum immer größer werdenden Reichtum einiger Weniger bei.

Das Marx-Denkmal ist ein Geschenk der Volksrepublik China. Es wurde am 5. Mai 2018 enthüllt. An diesem Tag hätte Karl Marx seinen 200. Geburtstag gefeiert.

Das Werk von Karl Marx gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Hätte es ohne die Schenkung eines asiatischen Staates ein Denkmal für diesen Philosophen in Trier gegeben? Dass diese Frage überhaupt möglich ist, ist schon erstaunlich.

Jetzt freuen wir uns auf den Moselradweg und guten Wein.

Bitte bleibt neugierig.

Salzländer Kulturstempel #25 – Industriemuseum Schönebeck

In den Gebäuden des ehemaligen Schönebecker Gas- und Elektrizitätswerkes wurde 2013 das Schönebecker Industriemuseum eröffnet. Das Museum nutzt das besonders schöne 1908 im Jugendstil errichtete historische Maschinenhaus.

Elektrotechnik (Quecksilberdampfgleichrichter), Metallverarbeitung, Traktoren und Sprengstofftechnik sind die Schwerpunkte des iMUSEt (Industrie Museum Schönebeck und Erlebniswelt Technik).

Die Sprengstofftechnik spielte in Schönebeck eine große Rolle. 1829 eröffneten Sellier und Bellot eine Zündhütchenfabrik für das preußische Militär. Das daraus hervorgegangene Sprengstoffwerk ist heute ein „lost place“, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Stempelkasten befindet sich im Museumsinneren und ist leider nur während der Öffnungszeiten zugänglich. In Coronazeiten können wir dazu gerade nichts schreiben. Davor war das Museum von April bis Oktober geöffnet.

Das große Tor war offen und ich ging um das Gebäude. Eine Tür gab Einlass und einige Vereinsmitglieder waren fleißig beim Filmen. Ein Film für Youtube sollte es werden. Freundlich zeigten sie mir den Stempelkasten. So hatte ich Glück. Vielen Dank dafür.

Bitte bleibt neugierig.

Zum Überblick über alle Salzländer Kulturstempel

Schildersonntag #24 – 1.Mai

Am 1. Mai 1886 streikten Arbeiter in den USA für den Achtstundentag. Dabei kam es zu Unruhen und Toten.

Drei Jahre später, auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale, wurde der 1. Mai zum Gedenken an die Opfer als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen.

Auch heute sind Solidarität und Gemeinschaft wichtig. Falls ihr Fotos mit Schildern zu dem Thema habt, würden wir uns darüber freuen.

Bitte bleibt neugierig.

Und was war letzten Sonntag ausgeschildert?

Schildersonntag #22 – Kaisers Handy

Wenn wir durch unsere Umgebung radeln, finden wir Schilder, die auf die preußische optische Telegrafenlinie hinweisen.

Die Preußen waren sich ihrer westlichen Provinzen am Rhein nicht sicher. Sie dachten damals auch anders als unsere Regierung. Die Preußen wollten die schnellste und beste Infrastruktur besitzen.

So bauten sie durchschnittlich alle 11 Kilometer von Berlin bis Koblenz optische Telegrafenstationen.

Quelle: Wikipedia, Lencer unter cc-Lizenz

Die Stationen standen auf erhöhten Punkten. Das heißt, es musste Sichtkontakt zwischen den Stationen bestehen. Oben auf den Stationen gab es ein Holzgestell mit sechs „Winkarmen“.

Station 18, Neuwegersleben

Jede Stellung der Arme hatte eine Bedeutung. Diese Stellung wurde von Station zu Station optisch weitergegeben. So konnte der Kaiser in eineinhalb Stunden eine Nachricht von Berlin nach Köln übermitteln. Das war im Vergleich zu einer Depeche per Pferd eine unglaubliche Geschwindigkeit. Wir sehen das coolste Handy der damaligen Zeit. Wir finden das großartig.

Die meisten Stationen gibt es heute nicht mehr. Aber Schilder kann man noch häufig finden. Gibt es in eurer Nähe auch ein Schild oder sogar noch eine Station? Wir freuen uns immer über Fotos.

Bitte habt einen schönen Sonntag und bleibt neugierig.

Und was war letzten Schildersonntag ausgeschildert?

Im Anfang war das Wort, …

… heißt es im Prolog des Johannesevangeliums. Mit seiner Bibelübersetzung in das Deutsche löste Martin Luther ein geschichtliches Beben aus. Überall in Deutschland zeugen Denkmäler von Luthers Bedeutung.

Dieses Jahr führte uns unser Lutherweg endlich auch nach Eisleben, Luthers Geburts- und Sterbeort.

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“

Plötzlich gab es diese Worte nicht nur auf Latein, sondern im verständlichen Deutsch. Eine Revolution brach über die Kirche herein. Großartig.

Vielleicht entdeckt ihr bei euch in der Nähe auch einen Luther.

Bitte bleibt neugierig.

etwas über Luthers Gegenspieler?

Kalenderblatt- Völkerschlachten

Am 15. Oktober 1813 (vor 207 Jahren) begann die Völkerschlacht bei Leipzig. Sie dauerte drei Tage. Das Ergebnis: 90.000 (neunzigtausend !) Tote und Verwundete. Das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig erinnert an dieses denkwürdige europäische Drama.

Völkerschlachtdenkmal

Wir haben das Völkerschlachtdenkmal als Kulisse für eine Volksfest und eine Radtourenfahrt mit ganz viel glücklichen Menschen in Erinnerung.

Herr Napoleon, der im Herbst 1813 hier bei Leipzig seine Grenzen aufgezeigt bekam, versuchte knapp zwei Jahre später noch einmal die „Herrschaft“ zu übernehmen. Das war bei …, ihr wisst schon.

Wir sind ziemlich froh, dass wir uns im nassen Oktober freiwillig für eine Fahrradtour entscheiden dürfen, aber nicht zu Einhunderttausenden im tödlichen Kampf übereinander herfallen müssen.

Bitte bleibt neugierig.

nach Waterloo

Lenin ist immer noch da

Am 22. April 1870 wurde Wladimir Iljitsch Uljanow in Simbirsk an der Wolga geboren. Als Lenin ging er in die Geschichte ein. Gestern wäre Wladimir Iljitsch Lenin 150 Jahre alt geworden. Schauen wir uns um, treffen wir auf Spuren von Lenin. Da radelten wir nach Oschersleben und trafen Lenin etwas verkitscht in der Ostalgiekantine.

Oschersleben
Lenin weist den Weg

In der Fachhochschule Brandenburg begegneten wir im Treppenhaus ebenfalls dem Genossen.

Auf unserer Tour „Auf nach Balkanien“ unterhielten wir uns mit Herrn Lenin und anderen Genossen, die etwas abgestellt wirkten, auf einem Hinterhof.

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Lenin in Tirana

Egal, wie man zu Lenin steht. Er ist Teil der Weltgeschichte. Der eine oder andere seiner Sprüche ist vielleicht auch bekannt.

„Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser.“

Falls ihr Spuren von Lenin begegnet, freuen wir uns über ein Bild oder einen Kommentar.

Bitte bleibt munter und neugierig.

Übrigens trafen wir auf Kuba auch auf „Lenin“.

 

9.11. – Das Schweigen der Lämmer

Heute bin ich mal allegorisch. Wölfe haben die Macht. Dazu schweigen die Lämmer.

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Der Mauerfall vor 30 Jahren war etwas ganz anderes und deshalb so besonders. Die Lämmer haben nicht geschwiegen und die Wölfe haben nicht getötet. Die Grenztore gingen auf.

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Puh, was für ein extrem seltener historischer Moment. Und was tun die Wölfe heute? Was machen die Lämmer?

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Bitte bleibt neugierig.

First Nations

In Calgary fielen uns zwei Denkmale auf. Beide erinnern an die First Nations, wir würden Indianer sagen. Zwischen den Wolkenkratzern werden die ehemals in Massen wildlebenden Büffel dargestellt.

Man schätzt, dass vor Ankunft der europäischen Siedler ca. 30 Millionen Bisons in Nordamerika lebten. Der Bestand ging bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durch extreme Bejagung auf nur noch ca. 1.000 Tiere zurück.

Nicht weit davon steht vor einem Wolkenkratzer Sitting Eagle, Häuptling der Nakoda.

In Downtown einer modernen Millionenstadt ist für uns klar, die Indianer hatten gegen die Einwanderer nie eine Chance.

Calgary liegt am Bow River. Die Skyline ist beeindruckend.

Wir folgen dem Bow Riwer Pathway und radeln auf perfekter Infrastruktur nach Westen.

Ob wir bald die Rocky Mountains sehen?

Bitte bleibt neugierig.

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9.11. – Mauerfall 29 Jahre später

Mauerfall. Friedliche Revolution. Ein Meilenstein unserer Geschichte. Wir sind dankbar, dass ein so bedeutender Wandel ohne Einsatz von Militär stattfand.

An der konsequenten Grenzsicherung war der Ernst der politischen Lage ablesbar. Hin und wieder sehen wir Reste. Natürlich machen wir Fotos.

Es gab an der innerdeutschen Grenze Beobachtungstürme. In der DDR waren die Kurzbezeichnungen ganz oft von den Anfangsbuchstaben der Objekte abgeleitet. Für Beobachtungsturm wurde also BT verwendet. War der Turm dann noch 11 Meter hoch, so hieß er BT11. Foto? Gerne.

Im Inneren waren mehrere versetzte Plattformen eingezogen, die die Grenzsoldaten per Leiter erreichten.

Vor zwei Wochen stießen wir, versteckt hinter vielen Brombeerdornen, auf einen alten BT9.

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Neben den einfachen Beobachtungstürmen gab es die Führungsstellen. Sie hatten eine Grundfläche von ca. 4×4 Metern.

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Von den ca. 10 Meter hohen Führungsstellen wurden die Posten und die elektronischen Sicherungsanlagen eines Grenzabschnittes beaufsichtigt. Grenztürme, die mitten in Deutschland standen, sind nur noch „lost places“. Gut so!

Bitte bleibt neugierig.

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