Unser Reisevortrag – Onsen, Hiroshima und Fujisan – mit dem Fahrrad durch Japan

Im Sommer 2018 radelten wir drei Wochen durch Japan. Wir starteten auf Kyūshū, der südlichen Hauptinsel und radelten in einem Bogen über elf der mehr als 6000 japanischen Inseln. Unser Ziel war Tokio.

Gut 1.300 Kilometer und viele ungezählte Höhenmeter kamen dabei zusammen. Wir schliefen in Kimonos auf Futons und badeten im Onsen. Wir sahen großartige japanische Burgen und Tempel und trafen freundliche Menschen.

Der Hochsommer ist für Japan keine gute Reisezeit. Wir radelten in extremer Hitze und während extremer Regenfälle. Menschen starben. Japan ist ein extremes Land. Emotionale Höhepunkte unserer Reise waren der Besuch des Friedensparks in Hiroshima und der Aufstieg auf den Fujisan.

Viele kleine Erlebnisse am Straßenrand werden unvergessen bleiben.

Wir halten einen Reisevortrag. Unser Vortrag über unsere Erlebnisse findet am 21. Februar ab 19:30 Uhr im Familienhaus im Park statt. Der Eintritt beträgt 5,- Euro und wird komplett für die Arbeit des Familienhauses gespendet. Familienhaus, Hohepfortestr. 14, 39106 Magdeburg, Reservierungen sind ab sofort telefonisch unter der Telefonnummer 0391 – 99 00 00 99 oder per Email post@familienhaus-magdeburg.de möglich. Karten müssen dann spätestens 45 Minuten vor der Veranstaltung abgeholt werden. Die Abendkasse öffnet jeweils eine Stunde vor der Veranstaltung.

Wir freuen uns darauf.

Bitte bleibt neugierig.

Hiroshima, 6. August 1945 8:15 Uhr

Über der Stadt Hiroshima explodierte am 6. August 1945 um 8:15 Uhr in ca. 600 Metern Höhe eine Atombombe. 90.000 Menschen waren auf der Stelle tot. 90.000 bis 166.000 Menschen starben später. (Quelle Wikipedia aus Artikel Hiroshima).

Im Friedenspark in Hiroshima darf jeder die „Friedensglocke“ anschlagen. Vielleicht habt ihr die Glocke heute zum Jahrestag in den Nachrichten gesehen. Wir haben vorsichtig, eher beklommen die Glocke angeschlagen.

 

„Dies ist unser Ruf
Dies ist unser Gebet
Frieden zu schaffen in dieser Welt.“
(Kinderfriedensdenkmal)

 

 

 

 

Tschüß Japan

Drei Wochen radelten wir durch Japan. Es gab noch einen Wunsch.

9. Wir fotografieren „Hachikō“.

Der treue Hund Hachikō holte jeden Tag sein Herrchen vom Bahnhof Shibuya in Tokio ab. Nachdem sein Herrchen starb, lief Hachikō noch fast 10 Jahre jeden Tag zum Bahnhof von Shibuya und wartete auf sein Herrchen. Dies tat Hachikō bis zu seinem eigenen Tod. 1934 errichteten die Japaner in Erinnerung an den treuen Hachikō dieses Denkmal.

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Jeder Urlaub geht einmal zu Ende. In Yokohama machten wir eine tolle Stadtrundfahrt mit den dortigen Nostalgiebussen. Sie funktionieren nach dem Prinzip „Hop on, hop off.“ – sehr zu empfehlen.

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An einer Station stiegen wir aus, um „Homes“, den Baumarkt unseres Vertrauens, zu besuchen. Dort kauften wir für ca. 7 Euro eine 50 Zentimeter breite dicke schwere Rolle dünner Folie. Wozu das?

Am Abflugtag radelten wir noch einmal ca. 23 Kilometer durch die Megapolis von Tokio.

Im Flughafen Haneda umwickelten wir unsere Räder mit der mitgebrachten Folie. So vorbereitet, ging es zum Check-In.

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Am Schalter klebte die ANA-Mitarbeiterin ohne jede Nachfrage Gepäckaufkleber auf unsere „Fahrrad-Kokons“, rief einen Kollegen und schloss ihren Schalter. Die beiden brachten uns zur Sperrgepäckaufgabe. Dort wurden unsere Räder geröntgt und erst als alles erfolgreich erledigt war, verneigte sich die Mitarbeiterin und wünschte uns einen schönen Flug. So einen Service hatten wir bei der Fahrradaufgabe noch nie erlebt.

Wir sind von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Japaner begeistert.
Wir finden es prima, dass keine Glasscherben am Straßenrand liegen.
In Japan ist es sauber und die Eisenbahn ist pünktlich. Das ist großartig. Wir werden noch lange an unsere erste Tour nach Asien zurückdenken.

Wart ihr schon mal in Japan? Habt ihr Fragen?

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Bitte bleibt neugierig.

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Über den neunköpfigen Drachen

Nach dem Fujisan führten uns schweißtreibende Anstiege nach Hakone. Hakone ist ein Kurort im Fujinationalpark. Die Tokioter schätzen Hakone als Ausflugsort, um der Großstadt zu entkommen.

Vor langer Zeit trug es sich nun zu, dass auf dem Grund des Sees Ashi, nahe Hakone, ein neunköpfiger Drache lebte.

Dieser Drache terrorisierte die Dorfbevölkerung.

Erst ein wandernder Priester, …

… mit modernem Pflaster an der Fersen, konnte diesen wilden neunköpfigen Drachen …

… nach hartem Kampf zähmen.

Seitdem leben Drache und Dorfbevölkerung friedlich miteinander.

Bis heute ist die Bevölkerung für die Erlösung so dankbar, dass sie dem Priester zu Ehren mit viel Musik einen Schrein durch Hakone tragen.

Bei diesem wilden Treiben lassen sie sich auch gerne von weitgereisten Traumradlern helfen.

Hakone war ziemlich cool.

Nach Hakone rollten wir in die Kantoregion mit 42 Millionen Einwohnern und den Großstädten Tokio und Yokohama. Wir nahmen im weltoffenen Tor von Japan, der Hafenstadt Yokohama, für vier Tage Quartier. Hier ließen wir unseren Urlaub ausklingen. Viele Erlebnisse und auch Anstrengungen müssen wir noch verarbeiten.

Wir hatten in Japan eine tolle Zeit. Dabei haben uns auch die vielen Informationen aus dem Internet geholfen. Danke an alle Informationsgeber. Besonders oft haben wir die Beiträge von Wanderweib und Sascha Brüggemann gelesen. Danke für die tollen Beiträge.

Bitte achtet auf neunköpfige Drachen oder ähnliches …

… und bleibt neugierig.

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Fujisan

Nach vielen Radkilometern kamen wir tatsächlich einem weiteren Ziel unserer Reise näher, dem Fujisan. „Siehst du den Fuji, da oben über den Wolken?“

Für uns wurde es zu einer Herausforderung, in der Fujiregion ein Zimmer zu ergattern. Fujinomiya hieß unser Ziel und wir konnten ein Zimmer vom 13. zum 14. Juli buchen. Für den darauffolgende Nacht, ausgerechnet vom Samstag zum Sonntag, war es wie verhext. Nirgends gab es ein Zimmer für uns. Aber genau für diese Nacht war es besonders wichtig, denn die Erfüllung unseres 8. Wunsches „Wir wollen den Fujisan besteigen.“ hing davon ab.

Wir fuhren erstmal am Freitag, den 13. nach Fujinomiya, checkten ein und spazierten am Nachmittag auf Zimmersuche durch den Ort. Mit sehr wenig Erfolg. Auch in unserem Hotel war für die nächste Nacht nichts frei. Ohne eine weitere sichere Übernachtung können wir die Fujibesteigung vergessen. Wir kämen erst spät abends vom Berg, wären sehr, sehr geschafft und hätten keine Unterkunft.

Plötzlich gab es in einem Onlinehotelportal im Nachbarhotel ein freies Zimmer, bestimmt von jemandem, der storniert hat. Wir buchten es sofort. Es war inzwischen etwa 18.00 Uhr und wir mussten jetzt loslegen. Ohne richtiges Schuhwerk, Stöcke und Verpflegung würde das Unterfangen, einen 3.776 Meter hohen Berg zu erklimmem, nicht funktionieren. Das nächstgelegene Kaufhaus hatte alles, was wir brauchten und so waren wir um 21.00 Uhr mit vollständiger Ausrüstung und genügend Lebensmittelvorräten wieder im Zimmer angekommen.

Herr Traumradler baute die kleinen weißen Radtaschen zu praktischen Rucksäcken um und wir packten. Armlinge, Beinlinge, Windjacke, Regenjacke, ein langärmliger Pullover, für jeden 1,5 l Wasser, 1 l Cola, 1 l Milch, Hähnchenfleisch, kleine Würstchen, Brötchen und Bananen.

Die Räder waren sicher im Hotel untergebracht. Das Gepäck wird im Hotel ebenfalls netterweise aufbewahrt. Vorbereitung fertig. Puh, Nachtruhe.

Der Aufstieg zum Fujisan ist in 10 Stationen unterteilt. Die 10. ist der Gipfel in der Höhe 3776 m. Die meisten Wanderer beginnen ihren Aufstieg an einer 5. Station. Bis zu den 5. Stationen fahren Busse. Rund um den Fujisan verteilt gibt es vier solcher fünften Stationen, die jeweils zu einem Aufstiegsweg gehören. Unsere 5. Station gehört zum Fujinomiyatrail. Er beginnt in einer Höhe von 2400 m und ist etwa 5 km lang. Man muss also noch 1.376 m in die Höhe laufen. Hört sich nicht so schlimm an. Wer schon einmal auf den Brocken über das Eckerloch gestiegen ist, weiß, dass das auch etwa 5 km sind, aber auch nur 500 Höhenmeter. Der Aufstieg wird also recht steil sein.

Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Wie so oft, waren wir schon vor dem Wecker wach. Um 6:10 Uhr checken wir aus. Wer braucht schon ein gemütliches Hotelfrühstück an einem Samstag? Um 6:35 Uhr fährt der Bus zur 5. Station. Der Bus war voll mit Wanderern, die heute alle das gleiche Ziel hatten. Um 7:55 Uhr trafen wir an der 5. Station ein. Wir waren nicht allein. Das kann ja was werden.

Es war Samstag und es war erst der zweite Tag, an dem die Wandersaison für diesen Trail offen war. Erstaunlich war der Anteil der kleinen, etwa 10-jährigen Kinder, die gemeinsam mit der Familie unterwegs waren. In einer schier endlosen Kette gingen wir den Berg hinauf.

Es ging los. „Pole, Pole“ sagen die Afrikaner. Schön langsam wanderten wir über Kieswege und hohe Steine, fast alle mit der gleichen Geschwindigkeit. Es war immer eine große Freude und Erleichterung, wenn man die nächste Station erreicht hat. An den Stationen gab es Lebensmittel und Getränke zu kaufen, deren Preis sich jedoch etwa proportional zur Höhe entwickelte. Kostet der halbe Liter Wasser am Automaten sonst etwa 1,20 Euro, so waren es oben schon 5 Euro. Aber wir waren ja gut versorgt und machten dort nur kurze Pausen zum essen und trinken.

Für die Wanderer, die den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erleben möchten, gibt es die Möglichkeit, in den Hütten der einzelnen Stationen zu übernachten und dann ganz früh am Morgen den Rest des Weges zu gehen. Inzwischen kamen uns diese Wanderer auf ihrem Rückweg entgegen. Alle waren stolz, den Aufstieg geschafft zu haben und grüßten freudig.

Wie lang der Weg noch war, konnte man auf Schildern an jeder Station nachlesen.

Beim Weitergehen entdeckten wir auf den Hüttendächern viele dutzend Schlafsäcke, die für die nächste Nacht erstmal getrocknet wurden.

Ab einer bestimmten Höhe wird die Luft spürbar dünner, man bleibt öfter stehen und atmet mehrmals tief durch. Einige Wanderer kaufen sich jetzt kleine Sauerstoffflaschen und atmen tief ein. Das soll der Höhenkrankheit entgegenwirken. Ich bin mir nicht sicher, ob diejenigen es bis zum Gipfel geschafft haben.

Nach 4 Stunden kamen wir am Fujisan Hongu Sengen Taisha Schrein kurz vor dem Gipfel an. Dort befindet sich während der Wandersaison auch ein Postamt und wir schrieben der Familie Karten.

Danach schauten wir kurz in den Krater hinab, hofften, dass der seit 1707 ruhige Vulkan dies heute auch bleiben würde und setzten unseren Weg zum höchsten Punkt fort.

Nach insgesamt 5 Stunden gab es endlich das Gipfelfoto.

Das Wetter war traumhaft. Bestimmt 15°C und Sonnenschein pur durften wir erleben. Die Armlinge, Beinlinge und Jacken haben wir zum Glück nicht gebraucht.

Den Abstieg bewältigten wir in 4 Stunden, setzten uns geschafft an die Bushaltestelle und fuhren zurück zum Hotel. Ach, da war ja noch was. Wir mussten unsere Sachen in das andere Hotel rüberbringen und dann, …., ja dann waren wir einfach nur noch glücklich. Von dem heftigen Muskelkater an den Tagen danach wussten wir noch nichts.

Es gibt einen Spruch bei den Japanern: “Wer einmal auf den Berg Fuji steigt ist weise. Wer ihn zweimal besteigt ist ein Narr.“ Ich glaube, ich bleibe weise.

Bitte bleibt neugierig.

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War da nicht ein preußischer Meilenstein?

Wer uns schon länger folgt, kennt unseren Faible für Meilensteine. Wir radelten also so vor uns hin, da sah ich einen Meilenstein. Es kann ja kein Preußischer Meilenstein sein, aber mal gucken.

Toll, hier geht also der Längengrad der japanischen Standardzeit entlang. Und was steht da an der Seite? Ich muss erst einmal das Grünzeug heruntertreten.

Wir radelten weiter. 135 Grad Ost, wenn das was mit der echten Sonnenzeit zu tun hat, muss das dann nicht durch 24 oder 12 oder wenigstens durch 2 teilbar sein. Auf dem Fahrrad bekam ich das im Kopf nicht klar.

Abends, in Ruhe, brachte ich Ordnung in die Gedanken. Also, unsere Erde ist eine Kugel und über die legen wir 360 Längengrade. Weiterhin haben wir definiert, dass sich die Erde in 24 Stunden ein Mal um sich selber dreht.

360 Grad / 24 Stunden = 15 Grad/Stunde

In einer Stunde wandert unsere Sonne demnach über 15 Längengrade. Japans Standardzeit ist neun Stunden der Greenwich mean time (GMT) voraus. Im Osten geht die Sonne halt früher auf :-).

9 Stunden * 15 Grad/Stunde = 135 Grad

135 Grad steht auf dem Obelisken. Alles passt, ich bin zufrieden. Kurz noch mal über unsere Zeit nachgedacht. Bei Görlitz liegt der 15. Längengrad. Dort gehen also die Uhren nach der Sonne richtig.

Jede Zeit ist spannend. Bitte bleibt neugierig.

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Erdbebenwogenschutzmauer

Auf dem Weg nach Shizuoka radelten wir viele Kilometer am Pazifik entlang. Toll sieht er aus.

Da können wir unserer Japanwunschliste eine weitere Erledigung hinzufügen.

7. Wir baden im Pazifik.

Schon klar, das hätte noch nicht als Wunscherfüllung gezählt. Wir haben uns natürlich noch ausgezogen und an den Strand gesetzt und uns von den auslaufenden Wellen erreichen lassen. Tiefer reingehen wäre bei diesen Wellen lebensgefährlich.

Bisher haben wir nie einen Japaner im Freien baden sehen. Es ist hier auch nicht die liebliche Ostsee. Vor Yokohama ändert sich aber das Bild. Dort sind Tausende im Wasser und auch wir ließen uns zu faulem Treiben im Stillen Ozean verleiten.

Ob wir bei Gefahr von so einem Baywatch-Team aus David Hasselhoff und Pamela Anderson gerettet werden? Ach, da bringen wir was durcheinander.

Auf dem Boden finden wir solche Piktogramme.

Offensichtlich ist es sehr wichtig zu wissen, wie man vom Strand weg kommt. Oder hier:

Vermutlich steht auf dem Schild: „Wir bauen für Ihre Sicherheit die neue viele 1000 Kilometer lange Tsunamischutzmauer … von 8 bis 17 Uhr.“

Das deutsche Wort Erdbebenwoge für Tsunami, finden wir sehr aussagestark. Bei Tsunami können wir die Fremdwortnutzung gut verstehen. Bei manch anderen Worten nicht, aber das wäre ein anderes Thema.

Gerade sind wir am Kernkraftwerk Hamaoka vorbeigeradelt. Es liegt, wie auch das Unglückskraftwerk Fukushima, direkt am Pazifik. Aktuell ist das Kraftwerk abgeschaltet, es liegen aber Anträge für das Wiederanfahren einiger Kernreaktoren vor. Hoffentlich reicht dann, im Fall der Fälle, die Erdbebenwogenschutzmauer.

Als Laien schätzen wir, dass Japan bei seiner geografischen Lage gut auf Kernkraft verzichten können müsste. Wir sehen und spüren gigantische Mengen an thermischer Energie. Da muss doch was draus zu machen sein. Man könnte auch sehr viel auf der Energieverbraucherseite tun, aber dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr.

Bitte bleibt neugierig.

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