Tschüß Japan

Drei Wochen radelten wir durch Japan. Es gab noch einen Wunsch.

9. Wir fotografieren „Hachikō“.

Der treue Hund Hachikō holte jeden Tag sein Herrchen vom Bahnhof Shibuya in Tokio ab. Nachdem sein Herrchen starb, lief Hachikō noch fast 10 Jahre jeden Tag zum Bahnhof von Shibuya und wartete auf sein Herrchen. Dies tat Hachikō bis zu seinem eigenen Tod. 1934 errichteten die Japaner in Erinnerung an den treuen Hachikō dieses Denkmal.

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Jeder Urlaub geht einmal zu Ende. In Yokohama machten wir eine tolle Stadtrundfahrt mit den dortigen Nostalgiebussen. Sie funktionieren nach dem Prinzip „Hop on, hop off.“ – sehr zu empfehlen.

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An einer Station stiegen wir aus, um „Homes“, den Baumarkt unseres Vertrauens, zu besuchen. Dort kauften wir für ca. 7 Euro eine 50 Zentimeter breite dicke schwere Rolle dünner Folie. Wozu das?

Am Abflugtag radelten wir noch einmal ca. 23 Kilometer durch die Megapolis von Tokio.

Im Flughafen Haneda umwickelten wir unsere Räder mit der mitgebrachten Folie. So vorbereitet, ging es zum Check-In.

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Am Schalter klebte die ANA-Mitarbeiterin ohne jede Nachfrage Gepäckaufkleber auf unsere „Fahrrad-Kokons“, rief einen Kollegen und schloss ihren Schalter. Die beiden brachten uns zur Sperrgepäckaufgabe. Dort wurden unsere Räder geröntgt und erst als alles erfolgreich erledigt war, verneigte sich die Mitarbeiterin und wünschte uns einen schönen Flug. So einen Service hatten wir bei der Fahrradaufgabe noch nie erlebt.

Wir sind von der Freundlichkeit und Höflichkeit der Japaner begeistert.
Wir finden es prima, dass keine Glasscherben am Straßenrand liegen.
In Japan ist es sauber und die Eisenbahn ist pünktlich. Das ist großartig. Wir werden noch lange an unsere erste Tour nach Asien zurückdenken.

Wart ihr schon mal in Japan? Habt ihr Fragen?

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Bitte bleibt neugierig.

<— einen Tag zurück

Über den neunköpfigen Drachen

Nach dem Fujisan führten uns schweißtreibende Anstiege nach Hakone. Hakone ist ein Kurort im Fujinationalpark. Die Tokioter schätzen Hakone als Ausflugsort, um der Großstadt zu entkommen.

Vor langer Zeit trug es sich nun zu, dass auf dem Grund des Sees Ashi, nahe Hakone, ein neunköpfiger Drache lebte.

Dieser Drache terrorisierte die Dorfbevölkerung.

Erst ein wandernder Priester, …

… mit modernem Pflaster an der Fersen, konnte diesen wilden neunköpfigen Drachen …

… nach hartem Kampf zähmen.

Seitdem leben Drache und Dorfbevölkerung friedlich miteinander.

Bis heute ist die Bevölkerung für die Erlösung so dankbar, dass sie dem Priester zu Ehren mit viel Musik einen Schrein durch Hakone tragen.

Bei diesem wilden Treiben lassen sie sich auch gerne von weitgereisten Traumradlern helfen.

Hakone war ziemlich cool.

Nach Hakone rollten wir in die Kantoregion mit 42 Millionen Einwohnern und den Großstädten Tokio und Yokohama. Wir nahmen im weltoffenen Tor von Japan, der Hafenstadt Yokohama, für vier Tage Quartier. Hier ließen wir unseren Urlaub ausklingen. Viele Erlebnisse und auch Anstrengungen müssen wir noch verarbeiten.

Wir hatten in Japan eine tolle Zeit. Dabei haben uns auch die vielen Informationen aus dem Internet geholfen. Danke an alle Informationsgeber. Besonders oft haben wir die Beiträge von Wanderweib und Sascha Brüggemann gelesen. Danke für die tollen Beiträge.

Bitte achtet auf neunköpfige Drachen oder ähnliches …

… und bleibt neugierig.

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Fujisan

Nach vielen Radkilometern kamen wir tatsächlich einem weiteren Ziel unserer Reise näher, dem Fujisan. „Siehst du den Fuji, da oben über den Wolken?“

Für uns wurde es zu einer Herausforderung, in der Fujiregion ein Zimmer zu ergattern. Fujinomiya hieß unser Ziel und wir konnten ein Zimmer vom 13. zum 14. Juli buchen. Für den darauffolgende Nacht, ausgerechnet vom Samstag zum Sonntag, war es wie verhext. Nirgends gab es ein Zimmer für uns. Aber genau für diese Nacht war es besonders wichtig, denn die Erfüllung unseres 8. Wunsches „Wir wollen den Fujisan besteigen.“ hing davon ab.

Wir fuhren erstmal am Freitag, den 13. nach Fujinomiya, checkten ein und spazierten am Nachmittag auf Zimmersuche durch den Ort. Mit sehr wenig Erfolg. Auch in unserem Hotel war für die nächste Nacht nichts frei. Ohne eine weitere sichere Übernachtung können wir die Fujibesteigung vergessen. Wir kämen erst spät abends vom Berg, wären sehr, sehr geschafft und hätten keine Unterkunft.

Plötzlich gab es in einem Onlinehotelportal im Nachbarhotel ein freies Zimmer, bestimmt von jemandem, der storniert hat. Wir buchten es sofort. Es war inzwischen etwa 18.00 Uhr und wir mussten jetzt loslegen. Ohne richtiges Schuhwerk, Stöcke und Verpflegung würde das Unterfangen, einen 3.776 Meter hohen Berg zu erklimmem, nicht funktionieren. Das nächstgelegene Kaufhaus hatte alles, was wir brauchten und so waren wir um 21.00 Uhr mit vollständiger Ausrüstung und genügend Lebensmittelvorräten wieder im Zimmer angekommen.

Herr Traumradler baute die kleinen weißen Radtaschen zu praktischen Rucksäcken um und wir packten. Armlinge, Beinlinge, Windjacke, Regenjacke, ein langärmliger Pullover, für jeden 1,5 l Wasser, 1 l Cola, 1 l Milch, Hähnchenfleisch, kleine Würstchen, Brötchen und Bananen.

Die Räder waren sicher im Hotel untergebracht. Das Gepäck wird im Hotel ebenfalls netterweise aufbewahrt. Vorbereitung fertig. Puh, Nachtruhe.

Der Aufstieg zum Fujisan ist in 10 Stationen unterteilt. Die 10. ist der Gipfel in der Höhe 3776 m. Die meisten Wanderer beginnen ihren Aufstieg an einer 5. Station. Bis zu den 5. Stationen fahren Busse. Rund um den Fujisan verteilt gibt es vier solcher fünften Stationen, die jeweils zu einem Aufstiegsweg gehören. Unsere 5. Station gehört zum Fujinomiyatrail. Er beginnt in einer Höhe von 2400 m und ist etwa 5 km lang. Man muss also noch 1.376 m in die Höhe laufen. Hört sich nicht so schlimm an. Wer schon einmal auf den Brocken über das Eckerloch gestiegen ist, weiß, dass das auch etwa 5 km sind, aber auch nur 500 Höhenmeter. Der Aufstieg wird also recht steil sein.

Um 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Wie so oft, waren wir schon vor dem Wecker wach. Um 6:10 Uhr checken wir aus. Wer braucht schon ein gemütliches Hotelfrühstück an einem Samstag? Um 6:35 Uhr fährt der Bus zur 5. Station. Der Bus war voll mit Wanderern, die heute alle das gleiche Ziel hatten. Um 7:55 Uhr trafen wir an der 5. Station ein. Wir waren nicht allein. Das kann ja was werden.

Es war Samstag und es war erst der zweite Tag, an dem die Wandersaison für diesen Trail offen war. Erstaunlich war der Anteil der kleinen, etwa 10-jährigen Kinder, die gemeinsam mit der Familie unterwegs waren. In einer schier endlosen Kette gingen wir den Berg hinauf.

Es ging los. „Pole, Pole“ sagen die Afrikaner. Schön langsam wanderten wir über Kieswege und hohe Steine, fast alle mit der gleichen Geschwindigkeit. Es war immer eine große Freude und Erleichterung, wenn man die nächste Station erreicht hat. An den Stationen gab es Lebensmittel und Getränke zu kaufen, deren Preis sich jedoch etwa proportional zur Höhe entwickelte. Kostet der halbe Liter Wasser am Automaten sonst etwa 1,20 Euro, so waren es oben schon 5 Euro. Aber wir waren ja gut versorgt und machten dort nur kurze Pausen zum essen und trinken.

Für die Wanderer, die den Sonnenaufgang auf dem Gipfel erleben möchten, gibt es die Möglichkeit, in den Hütten der einzelnen Stationen zu übernachten und dann ganz früh am Morgen den Rest des Weges zu gehen. Inzwischen kamen uns diese Wanderer auf ihrem Rückweg entgegen. Alle waren stolz, den Aufstieg geschafft zu haben und grüßten freudig.

Wie lang der Weg noch war, konnte man auf Schildern an jeder Station nachlesen.

Beim Weitergehen entdeckten wir auf den Hüttendächern viele dutzend Schlafsäcke, die für die nächste Nacht erstmal getrocknet wurden.

Ab einer bestimmten Höhe wird die Luft spürbar dünner, man bleibt öfter stehen und atmet mehrmals tief durch. Einige Wanderer kaufen sich jetzt kleine Sauerstoffflaschen und atmen tief ein. Das soll der Höhenkrankheit entgegenwirken. Ich bin mir nicht sicher, ob diejenigen es bis zum Gipfel geschafft haben.

Nach 4 Stunden kamen wir am Fujisan Hongu Sengen Taisha Schrein kurz vor dem Gipfel an. Dort befindet sich während der Wandersaison auch ein Postamt und wir schrieben der Familie Karten.

Danach schauten wir kurz in den Krater hinab, hofften, dass der seit 1707 ruhige Vulkan dies heute auch bleiben würde und setzten unseren Weg zum höchsten Punkt fort.

Nach insgesamt 5 Stunden gab es endlich das Gipfelfoto.

Das Wetter war traumhaft. Bestimmt 15°C und Sonnenschein pur durften wir erleben. Die Armlinge, Beinlinge und Jacken haben wir zum Glück nicht gebraucht.

Den Abstieg bewältigten wir in 4 Stunden, setzten uns geschafft an die Bushaltestelle und fuhren zurück zum Hotel. Ach, da war ja noch was. Wir mussten unsere Sachen in das andere Hotel rüberbringen und dann, …., ja dann waren wir einfach nur noch glücklich. Von dem heftigen Muskelkater an den Tagen danach wussten wir noch nichts.

Es gibt einen Spruch bei den Japanern: “Wer einmal auf den Berg Fuji steigt ist weise. Wer ihn zweimal besteigt ist ein Narr.“ Ich glaube, ich bleibe weise.

Bitte bleibt neugierig.

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War da nicht ein preußischer Meilenstein?

Wer uns schon länger folgt, kennt unseren Faible für Meilensteine. Wir radelten also so vor uns hin, da sah ich einen Meilenstein. Es kann ja kein Preußischer Meilenstein sein, aber mal gucken.

Toll, hier geht also der Längengrad der japanischen Standardzeit entlang. Und was steht da an der Seite? Ich muss erst einmal das Grünzeug heruntertreten.

Wir radelten weiter. 135 Grad Ost, wenn das was mit der echten Sonnenzeit zu tun hat, muss das dann nicht durch 24 oder 12 oder wenigstens durch 2 teilbar sein. Auf dem Fahrrad bekam ich das im Kopf nicht klar.

Abends, in Ruhe, brachte ich Ordnung in die Gedanken. Also, unsere Erde ist eine Kugel und über die legen wir 360 Längengrade. Weiterhin haben wir definiert, dass sich die Erde in 24 Stunden ein Mal um sich selber dreht.

360 Grad / 24 Stunden = 15 Grad/Stunde

In einer Stunde wandert unsere Sonne demnach über 15 Längengrade. Japans Standardzeit ist neun Stunden der Greenwich mean time (GMT) voraus. Im Osten geht die Sonne halt früher auf :-).

9 Stunden * 15 Grad/Stunde = 135 Grad

135 Grad steht auf dem Obelisken. Alles passt, ich bin zufrieden. Kurz noch mal über unsere Zeit nachgedacht. Bei Görlitz liegt der 15. Längengrad. Dort gehen also die Uhren nach der Sonne richtig.

Jede Zeit ist spannend. Bitte bleibt neugierig.

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Erdbebenwogenschutzmauer

Auf dem Weg nach Shizuoka radelten wir viele Kilometer am Pazifik entlang. Toll sieht er aus.

Da können wir unserer Japanwunschliste eine weitere Erledigung hinzufügen.

7. Wir baden im Pazifik.

Schon klar, das hätte noch nicht als Wunscherfüllung gezählt. Wir haben uns natürlich noch ausgezogen und an den Strand gesetzt und uns von den auslaufenden Wellen erreichen lassen. Tiefer reingehen wäre bei diesen Wellen lebensgefährlich.

Bisher haben wir nie einen Japaner im Freien baden sehen. Es ist hier auch nicht die liebliche Ostsee. Vor Yokohama ändert sich aber das Bild. Dort sind Tausende im Wasser und auch wir ließen uns zu faulem Treiben im Stillen Ozean verleiten.

Ob wir bei Gefahr von so einem Baywatch-Team aus David Hasselhoff und Pamela Anderson gerettet werden? Ach, da bringen wir was durcheinander.

Auf dem Boden finden wir solche Piktogramme.

Offensichtlich ist es sehr wichtig zu wissen, wie man vom Strand weg kommt. Oder hier:

Vermutlich steht auf dem Schild: „Wir bauen für Ihre Sicherheit die neue viele 1000 Kilometer lange Tsunamischutzmauer … von 8 bis 17 Uhr.“

Das deutsche Wort Erdbebenwoge für Tsunami, finden wir sehr aussagestark. Bei Tsunami können wir die Fremdwortnutzung gut verstehen. Bei manch anderen Worten nicht, aber das wäre ein anderes Thema.

Gerade sind wir am Kernkraftwerk Hamaoka vorbeigeradelt. Es liegt, wie auch das Unglückskraftwerk Fukushima, direkt am Pazifik. Aktuell ist das Kraftwerk abgeschaltet, es liegen aber Anträge für das Wiederanfahren einiger Kernreaktoren vor. Hoffentlich reicht dann, im Fall der Fälle, die Erdbebenwogenschutzmauer.

Als Laien schätzen wir, dass Japan bei seiner geografischen Lage gut auf Kernkraft verzichten können müsste. Wir sehen und spüren gigantische Mengen an thermischer Energie. Da muss doch was draus zu machen sein. Man könnte auch sehr viel auf der Energieverbraucherseite tun, aber dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr.

Bitte bleibt neugierig.

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Rahmen oder Ramen?

Essen ist eine wichtige Sache. Ohne Verpflegung keine Bewegung.

Unser Tag beginnt, Überraschung, mit dem Frühstück. In Deutschland gibt es meist das typische kontinentale Frühstück, Rührei mit Schinken, Brötchen oder Toast und … . Ihr kennt das.

Hier in Japan hatten wir sehr unterschiedliches Frühstück. In Tokuyama bekamen wir ein Tablett mit einer Auswahl japanischer Frühstücksköstlichkeiten. Es waren sogar mehr als sieben :-).

In den meisten Hotels gab es ein Buffet, auch hier gab es gebratene Hähnchenteile, verschiedene Fischsorten, roh oder gebraten, Meeresfrüchte im Teigmantel, Bohnenkeime in Sojasoße, Frühlingsrollen, verschiedene Sorten Reis und Nudeln, aber auch Rührei, Schinken, Würstchen. Weiche Brötchen und viele kleine Gebäckteilchen. Japaner mögen es süß. Joghurt und Müsli konnte man auch wählen. Saft, Milch und ganz wichtig: Kaffee waren immer ausreichend vorhanden. So konnte der Radtag beginnen.

Tagsüber leben wir von dem, was uns in den Supermärkten – das waren FamilyMart, 7-Eleven und Lawson – angeboten wurde. Am wichtigsten waren Milch und Kakao sowie Cola. Alles schön gekühlt. Und es gab eine heiße Theke, in der immer gut gewürzte Hähnchenteile auf uns warteten.

Aufreißen und reinbeißen.

Außerdem lagen in der Kühltheke verschiedene frisch verpackte essfertige Gerichte, die man sich im Laden in der Mikrowelle erwärmen lassen konnte. Da es außerdem eine klimatisierte Sitzecke gab, blieben wir zum Verzehr im Laden. Bei hohen Außentemperaturen war das eine Wohltat. Das machten einige Japaner auch so, aber viele blieben im Auto bei laufendem Motor – damit es im Auto schön kühl bleibt – sitzen und aßen dort zu Mittag. Klimatechnisch ist das der Wahnsinn.

Da es in Japan auf den Straßen keine Mülleimer gibt, war es spannend mit anzusehen, wie jeder nach dem Essen ordentlich seinen Müll trennte und im Laden in die passenden Behälter warf.

Da bei 35°C kaum noch kühlender Fahrtwind zu spüren ist, auch nicht, wenn man schneller fährt :-), brauchten wir unsere Pausen nach etwa 10 bis 15 km. Dann gab es mindestens ein Getränk zum Abkühlen. Wir trinken jeder etwa 4 l während der Fahrt.

Abends ging es auf die Suche nach einer Gaststätte. Getreu dem Motto „in einer vollen Gaststätte schmeckt es bestimmt gut“ haben wir uns unter die Japaner gemischt und gut daran getan.

In Tokuyama waren Einheimische im Ramenrestaurant schnell daran interessiert, mit uns zu erzählen. Wir zählten dann gemeinsam von eins bis zehn, sie in Deutsch und wir in Japanisch. Lustig war es. Ching lud uns dann gleich auf Ramen ein, dünne Nudeln in einer würzigen Suppe mit einem rohen Ei. Der Ramen wird mit Eieruhr serviert. Drei Minuten läuft die Eieruhr, dann kann man den Deckel abnehmen und voila, die Nudeln sind gut.

Ching besorgte mir noch eine Gabel, die ich dankend ablehnte, denn in Japan kriegt man so was mit Stäbchen hin. Das sieht auch lustig aus, aber ich glaube, sie fanden es gut, dass wir die Stäbchen genutzt haben. Im Ausgleich dazu bekam Ching ein Bier und wir unterhielten uns noch ein wenig über die Fußball-WM, obwohl er eigentlich Baseballfan ist.

In Hagashiroshima blieben wir abends im Hotel, da es in Strömen regnete. Hier gab es ein Dinner, bei dem man zuerst am Automaten aussuchen musste. Wir fütterten den Automaten mit Geld und erhielten Coupons, die wir dann in der Küche abgaben und dann wurde das Gericht frisch zubereitet. Diese Automaten sind uns mehrfach begegnet.

Ein Coupon ist übrigen ein Bier wert :-).

In Imabari gingen wir in eine Izakaya, das ist DIE japanische Kneipe und der populärste Gastronomiebetrieb in Japan. Der Name setzt sich zusammen aus i(sitzen) und sakaya (Sake-Geschäft) und bedeutet damit so viel wie „Sake-Laden zum Sitzen“. Eine Familie feierte dort gerade und sie waren ganz beflissen, uns bei der Auswahl des Essens zu helfen. Fußball und Deutschland Ost und West waren gleich Thema. Es war wieder ein schöner Abend.

In Kyoto suchten wir deshalb gezielt nach einer Izakaya und fanden eine richtig volle. Die Speisekarte stand an der Wand und wir bestellten Sushi. Auch richtig lecker.

Das Bezahlen klappt übrigens immer bestens. Am Ausgang befindet sich eine Kasse, dort wird bezahlt. Meist sind die Mitarbeiter des Restaurantes so schnell, dass der Preis schon in der Kasse steht, wenn man den kurzen Weg vom Platz zur Kasse zurückgelegt hat.

Überhaupt sind sie hier mit der Bedienung äußerst schnell. Spaßig ist auch, dass es in den Gaststätten ein Echo gibt. Wenn ein Mitarbeiter einen Gruß ausspricht, schallt es plötzlich gleichlautend aus allen Ecken von den anderen Mitarbeitern zurück. Und das in sehr unterschiedlichen Tonhöhen. Wahnsinn.

Das soll es dazu erst einmal gewesen sein.

Wir haben noch ein paar Punkte auf unserer Japanwunschliste.

8. Wir stehen auf dem Fujisan.

Bitte bleibt neugierig.

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Bushaltestellengeschichten

In der alten japanischen Hauptstadt Kyoto schaut man sich traumhafte Paläste, Gärten, Tempel, Schreine und Pagoden an. Das haben wir auch getan. Bilder davon gibt es unter dem Beitragsendewunsch.

Mir gefällt aber dieser Schnappschuss über eine sechsspurige Straße besonders.

Wir sehen eine Bushaltestelle im Herzen Kyotos. Es ist spannend, was man auf diesemo zufälligen Foto entdecken kann.

Es ist Montagvormittag. Das Pärchen rechts ist traditionell gekleidet. Sie wischt ihm vermutlich den Schweiß ab. Was haben sie noch vor? Die linke Dame auf der Bank wedelt sich typisch japanisch mit einem Fächer Luft zu. Es ist heiß. Die Mutter mit dem Jungen links schaut auf den Wasserspender. Bestimmt wollen sie ihre Trinkflaschen auffüllen.

Oben aus der waagerechten Wasserleitung versprüht die Stadt Kyoto Wasserdampf. Ob der Wassernebel der Erfrischung oder aber als eine Art Schutzschild gegen den Autosmog dient, wissen wir nicht genau.

Die Bushaltestellen auf dem Land sind übrigens einfacher gehalten.

Auf unseren sonstigen Radtouren haben wir für Rasten oft und gerne Bushaltestellen genutzt. In Japan haben wir eine andere Strategie. Davon später mehr.

Bitte bleibt neugierig.

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