War da nicht ein preußischer Meilenstein? In Japan? So ein Quatsch.

Wer uns schon länger folgt, kennt unseren Faible für Meilensteine. Wir radelten also so vor uns hin, da sah ich einen Meilenstein. Es kann ja kein Preußischer Meilenstein sein, aber mal gucken.

Toll, hier geht also der Längengrad der japanischen Standardzeit entlang. Und was steht da an der Seite? Ich muss erst einmal das Grünzeug heruntertreten.

Wir radelten weiter. 135 Grad Ost, wenn das was mit der echten Sonnenzeit zu tun hat, muss das dann nicht durch 24 oder 12 oder wenigstens durch 2 teilbar sein. Auf dem Fahrrad bekam ich das im Kopf nicht klar.

Abends, in Ruhe, brachte ich Ordnung in die Gedanken. Also, unsere Erde ist eine Kugel und über die legen wir 360 Längengrade. Weiterhin haben wir definiert, dass sich die Erde in 24 Stunden ein Mal um sich selber dreht.

360 Grad / 24 Stunden = 15 Grad/Stunde

In einer Stunde wandert unsere Sonne demnach über 15 Längengrade. Japans Standardzeit ist neun Stunden der Greenwich mean time (GMT) voraus. Im Osten geht die Sonne halt früher auf :-).

9 Stunden * 15 Grad/Stunde = 135 Grad

135 Grad steht auf dem Obelisken. Alles passt, ich bin zufrieden. Kurz noch mal über unsere Zeit nachgedacht. Bei Görlitz liegt der 15. Längengrad. Dort gehen also die Uhren nach der Sonne richtig.

Jede Zeit ist spannend. Bitte bleibt neugierig.

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Erdbebenwogenschutzmauer

Auf dem Weg nach Shizuoka radelten wir viele Kilometer am Pazifik entlang. Toll sieht er aus.

Da können wir unserer Japanwunschliste eine weitere Erledigung hinzufügen.

7. Wir baden im Pazifik.

Schon klar, das hätte noch nicht als Wunscherfüllung gezählt. Wir haben uns natürlich noch ausgezogen und an den Strand gesetzt und uns von den auslaufenden Wellen erreichen lassen. Tiefer reingehen wäre bei diesen Wellen lebensgefährlich.

Bisher haben wir nie einen Japaner im Freien baden sehen. Es ist hier auch nicht die liebliche Ostsee. Vor Yokohama ändert sich aber das Bild. Dort sind Tausende im Wasser und auch wir ließen uns zu faulem Treiben im Stillen Ozean verleiten.

Ob wir bei Gefahr von so einem Baywatch-Team aus David Hasselhoff und Pamela Anderson gerettet werden? Ach, da bringen wir was durcheinander.

Auf dem Boden finden wir solche Piktogramme.

Offensichtlich ist es sehr wichtig zu wissen, wie man vom Strand weg kommt. Oder hier:

Vermutlich steht auf dem Schild: „Wir bauen für Ihre Sicherheit die neue viele 1000 Kilometer lange Tsunamischutzmauer … von 8 bis 17 Uhr.“

Das deutsche Wort Erdbebenwoge für Tsunami, finden wir sehr aussagestark. Bei Tsunami können wir die Fremdwortnutzung gut verstehen. Bei manch anderen Worten nicht, aber das wäre ein anderes Thema.

Gerade sind wir am Kernkraftwerk Hamaoka vorbeigeradelt. Es liegt, wie auch das Unglückskraftwerk Fukushima, direkt am Pazifik. Aktuell ist das Kraftwerk abgeschaltet, es liegen aber Anträge für das Wiederanfahren einiger Kernreaktoren vor. Hoffentlich reicht dann, im Fall der Fälle, die Erdbebenwogenschutzmauer.

Als Laien schätzen wir, dass Japan bei seiner geografischen Lage gut auf Kernkraft verzichten können müsste. Wir sehen und spüren gigantische Mengen an thermischer Energie. Da muss doch was draus zu machen sein. Man könnte auch sehr viel auf der Energieverbraucherseite tun, aber dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr.

Bitte bleibt neugierig.

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Rahmen oder Ramen?

Essen ist eine wichtige Sache. Ohne Verpflegung keine Bewegung.

Unser Tag beginnt, Überraschung, mit dem Frühstück. In Deutschland gibt es meist das typische kontinentale Frühstück, Rührei mit Schinken, Brötchen oder Toast und … . Ihr kennt das.

Hier in Japan hatten wir sehr unterschiedliches Frühstück. In Tokuyama bekamen wir ein Tablett mit einer Auswahl japanischer Frühstücksköstlichkeiten. Es waren sogar mehr als sieben :-).

In den meisten Hotels gab es ein Buffet, auch hier gab es gebratene Hähnchenteile, verschiedene Fischsorten, roh oder gebraten, Meeresfrüchte im Teigmantel, Bohnenkeime in Sojasoße, Frühlingsrollen, verschiedene Sorten Reis und Nudeln, aber auch Rührei, Schinken, Würstchen. Weiche Brötchen und viele kleine Gebäckteilchen. Japaner mögen es süß. Joghurt und Müsli konnte man auch wählen. Saft, Milch und ganz wichtig: Kaffee waren immer ausreichend vorhanden. So konnte der Radtag beginnen.

Tagsüber leben wir von dem, was uns in den Supermärkten – das waren FamilyMart, 7-Eleven und Lawson – angeboten wurde. Am wichtigsten waren Milch und Kakao sowie Cola. Alles schön gekühlt. Und es gab eine heiße Theke, in der immer gut gewürzte Hähnchenteile auf uns warteten.

Aufreißen und reinbeißen.

Außerdem lagen in der Kühltheke verschiedene frisch verpackte essfertige Gerichte, die man sich im Laden in der Mikrowelle erwärmen lassen konnte. Da es außerdem eine klimatisierte Sitzecke gab, blieben wir zum Verzehr im Laden. Bei hohen Außentemperaturen war das eine Wohltat. Das machten einige Japaner auch so, aber viele blieben im Auto bei laufendem Motor – damit es im Auto schön kühl bleibt – sitzen und aßen dort zu Mittag. Klimatechnisch ist das der Wahnsinn.

Da es in Japan auf den Straßen keine Mülleimer gibt, war es spannend mit anzusehen, wie jeder nach dem Essen ordentlich seinen Müll trennte und im Laden in die passenden Behälter warf.

Da bei 35°C kaum noch kühlender Fahrtwind zu spüren ist, auch nicht, wenn man schneller fährt :-), brauchten wir unsere Pausen nach etwa 10 bis 15 km. Dann gab es mindestens ein Getränk zum Abkühlen. Wir trinken jeder etwa 4 l während der Fahrt.

Abends ging es auf die Suche nach einer Gaststätte. Getreu dem Motto „in einer vollen Gaststätte schmeckt es bestimmt gut“ haben wir uns unter die Japaner gemischt und gut daran getan.

In Tokuyama waren Einheimische im Ramenrestaurant schnell daran interessiert, mit uns zu erzählen. Wir zählten dann gemeinsam von eins bis zehn, sie in Deutsch und wir in Japanisch. Lustig war es. Ching lud uns dann gleich auf Ramen ein, dünne Nudeln in einer würzigen Suppe mit einem rohen Ei. Der Ramen wird mit Eieruhr serviert. Drei Minuten läuft die Eieruhr, dann kann man den Deckel abnehmen und voila, die Nudeln sind gut.

Ching besorgte mir noch eine Gabel, die ich dankend ablehnte, denn in Japan kriegt man so was mit Stäbchen hin. Das sieht auch lustig aus, aber ich glaube, sie fanden es gut, dass wir die Stäbchen genutzt haben. Im Ausgleich dazu bekam Ching ein Bier und wir unterhielten uns noch ein wenig über die Fußball-WM, obwohl er eigentlich Baseballfan ist.

In Hagashiroshima blieben wir abends im Hotel, da es in Strömen regnete. Hier gab es ein Dinner, bei dem man zuerst am Automaten aussuchen musste. Wir fütterten den Automaten mit Geld und erhielten Coupons, die wir dann in der Küche abgaben und dann wurde das Gericht frisch zubereitet. Diese Automaten sind uns mehrfach begegnet.

Ein Coupon ist übrigen ein Bier wert :-).

In Imabari gingen wir in eine Izakaya, das ist DIE japanische Kneipe und der populärste Gastronomiebetrieb in Japan. Der Name setzt sich zusammen aus i(sitzen) und sakaya (Sake-Geschäft) und bedeutet damit so viel wie „Sake-Laden zum Sitzen“. Eine Familie feierte dort gerade und sie waren ganz beflissen, uns bei der Auswahl des Essens zu helfen. Fußball und Deutschland Ost und West waren gleich Thema. Es war wieder ein schöner Abend.

In Kyoto suchten wir deshalb gezielt nach einer Izakaya und fanden eine richtig volle. Die Speisekarte stand an der Wand und wir bestellten Sushi. Auch richtig lecker.

Das Bezahlen klappt übrigens immer bestens. Am Ausgang befindet sich eine Kasse, dort wird bezahlt. Meist sind die Mitarbeiter des Restaurantes so schnell, dass der Preis schon in der Kasse steht, wenn man den kurzen Weg vom Platz zur Kasse zurückgelegt hat.

Überhaupt sind sie hier mit der Bedienung äußerst schnell. Spaßig ist auch, dass es in den Gaststätten ein Echo gibt. Wenn ein Mitarbeiter einen Gruß ausspricht, schallt es plötzlich gleichlautend aus allen Ecken von den anderen Mitarbeitern zurück. Und das in sehr unterschiedlichen Tonhöhen. Wahnsinn.

Das soll es dazu erst einmal gewesen sein.

Wir haben noch ein paar Punkte auf unserer Japanwunschliste.

8. Wir sehen den Fuji San.

Bitte bleibt neugierig.

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Die exakten Karten mit GPX-Track ergänzen wir zu Hause, wenn wir die technischen Möglichkeiten haben.

Bushaltestellengeschichten

In der alten japanischen Hauptstadt Kyoto schaut man sich traumhafte Paläste, Gärten, Tempel, Schreine und Pagoden an. Das haben wir auch getan. Bilder davon gibt es unter dem Beitragsendewunsch.

Mir gefällt aber dieser Schnappschuss über eine sechsspurige Straße besonders.

Wir sehen eine Bushaltestelle im Herzen Kyotos. Es ist spannend, was man auf diesemo zufälligen Foto entdecken kann.

Es ist Montagvormittag. Das Pärchen rechts ist traditionell gekleidet. Sie wischt ihm vermutlich den Schweiß ab. Was haben sie noch vor? Die linke Dame auf der Bank wedelt sich typisch japanisch mit einem Fächer Luft zu. Es ist heiß. Die Mutter mit dem Jungen links schaut auf den Wasserspender. Bestimmt wollen sie ihre Trinkflaschen auffüllen.

Oben aus der waagerechten Wasserleitung versprüht die Stadt Kyoto Wasserdampf. Ob der Wassernebel der Erfrischung oder aber als eine Art Schutzschild gegen den Autosmog dient, wissen wir nicht genau.

Die Bushaltestellen auf dem Land sind übrigens einfacher gehalten.

Auf unseren sonstigen Radtouren haben wir für Rasten oft und gerne Bushaltestellen genutzt. In Japan haben wir eine andere Strategie. Davon später mehr.

Bitte bleibt neugierig.

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Nicht immer scheint die Sonne

Zuerst wollten wir keinen „Regenblog“ machen. „Jetzt schreiben die schon über’s Wetter.“ Vermutlich ist aber diese Art von Wetter doch typisch für Japan. Also haben wir uns umentschieden.

Dass es im Frühsommer in Japan zu monsunartigen Niederschlägen kommt, wussten wir. Was wir aber auf unserer Reise erlebten, überstieg das übliche Maß deutlich. Es fing an zu regnen.

Den ersten Tag radelten wir trotz Regen weiter. Nass waren wir ehe und warm war es trotzdem. Den zweiten Tag hatten wir zwei Fährpassagen und wir radelten relativ wenig.

Mit Shodoshima nahmen wir übrigens die zehnte japanische Insel unter die Räder. Auch auf den kurzen Strecken waren wir sofort nass.

Navigieren mit Geräten mit Touchdisplay war nicht mehr möglich. Unser Garmin oder auch unser Smartphone wurde in Sekunden von riesigen Tropfen getroffen, so dass wir mit unseren Fingern gar keine Chance mehr zur Bedienung hatten. Verrückt. So erreichten wir Himeji.

In Himeji gibt es eine gigantische Burg. Hier wurde „Shogun“ gedreht. Kennt das noch jemand?

Dann war unsere Toleranzgrenze erreicht. Wir legten einen Ruhetag ein. Den dritten Regentag faulenzten wir und erkundeten unbekannte und quietschbunte Einkaufspassagen.

Inzwischen hatte es komplette drei Tage unvorstellbar heftig geregnet. In einer japanischen Region wurden 263 Liter in drei Stunden gemessen. Sehr extrem.

Mehr als 100 Menschen sind in den Regionen, durch die wir gerade noch radelten wegen Erdrutschen und Überflutungen gestorben. Da beginnen wir schon, über das Thema Klima nachzudenken. Die aktuellen Regenfälle ordnen die Japaner als die schlimmste Naturkatastrophe seit dem Tsunami 2011 ein.

Die extremen Wetterlagen treffen Staaten wie Japan früher, härter und öfter. Tante Google meinte auch, dass das Radeln auf den umliegenden Straßen eher sinnfrei ist.

Wenn die Japaner eine Straße sperren, kann das auch lustig aussehen.

Wir sind froh, dass wir persönlich diese Wetterperiode gut überstanden haben. Nach dem Regen kommt wieder die Sonne. Unser nächstes Ziel ist Kyoto. Gab es da nicht das „Kyoto-Protokoll“ mit Klimaschutzzielen?

Bitte bleibt neugierig.

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Über sieben Brücken musst du geh’n – der Shimanami Kaido

Was haben wir uns noch für unsere Japanreise gewünscht?

6. Wir fahren auf einer der schönsten Radrouten der Welt – dem Shimanami Kaido (しまなみ海道)

Dieser Weg verbindet die Inseln Honshu und Shikoku über insgesamt sieben Brücken miteinander. Sechs Inseln liegen dazwischen.

Der Weg beginnt in Onomichi, ist 75 km lang und durchgehend mit einer am linken Straßenrand entlang führenden blauen Linie versehen, auf der nach jedem Kilometer angegeben wird, wie weit es noch bis zum Ziel in Imabari ist.

Als wir in Onomichi ankommen, fahren wir mit der Fähre zur ersten Insel Mukaishima und damit auch zum Startpunkt des Radweges. Damit wurden wir an der Onomichi-Brücke vorbei geleitet und so waren es nur sechs Brücken.

Nach einigen Kilometern konnten wir dann die erste für uns zu überquerende Brücke sehen, die Innoshima-Brücke. Diese Brücke wurde 1983 als erste Hängebrücke der Honshu-Shikoku Brücken fertiggestellt. Die mittlere Spannweite der Brücke war mit 770 m zu dieser Zeit die längste in Japan.

Als Radfahrer fährt man auf einer etwa 1 km langen Strecke mit 3%-iger Steigung gemächlich nach oben auf die Brücke. Das Besondere hier ist, dass man eine Ebene unter der Fahrspur für die motorisierten Fahrzeuge nutzt, die man sich nur mit den Fußgängern teilen muss. Natürlich trällerten wir hier ganz ungestört den Refrain von „Über sieben Brücken musst du geh’n“.

Nach einer genauso gemächlichen Abfahrt erreicht man Innoshima als zweite Insel. Der Weg führt am Meer entlang, man radelt durch kleine Ortschaften und selten wird man von einem Auto überholt. Es ist ein Genuss, hier Rad zu fahren und es dauert nicht lange, bis die nächste Brücke erreicht ist.

Die Ikuchi-Brücke wurde 1991 fertiggestellt. Diese Brücke war nach ihrer Fertigstellung die längste Schrägseilbrücke der Welt. Auf- und Abfahrt verlaufen ähnlich wie bei der ersten Brücke, nur dass man bei dieser und den nächsten Brücken neben den motorisierten Fahrzeugen auf einer eigenen Spur entlang geleitet wird. Jede der folgenden Brücken war zur Zeit ihrer Fertigstellung eine architektonische Meisterleistung und es macht Spaß, darüber zu fahren und die Aussicht zu genießen.

Als Radfahrer darf man – im Unterschied zu den Autos – natürlich jederzeit anhalten und die Eindrücke festhalten.

Am Ende des Tages haben wir mit einem Schlag sieben neue Inseln „erfahren“. Damit sind es jetzt insgesamt neun und wir nähern uns der Gesamtzahl der japanischen Inseln in großen Schritten. Ach ja, es fehlen nur noch 6843. Und obwohl der Radweg oft am Meer entlang verläuft, sind es etwa 1000 Höhenmeter, die man auf dem Weg nach Imabari „erklettert“.

Es gibt den Shimanami Kaido auch als Jedermann-Radsportveranstaltung. Dabei kann zwischen den Streckenlängen 70 km und 100 km gewählt werden. Hierbei benutzt man allerdings die Fahrspuren auf den Brücken. Das gemütliche Rad“rennen“, bei dem von den Teilnehmern auch viel fotografiert wird, ist bestens organisiert, denn seit Tokio Ausrichter für die Olympischen Sommerspiele 2020 wurde, erhielt das Radfahren in Japan neue Popularität.

Nach dem Duschen haben wir uns noch Imabaricastle angesehen. Nach dem Dunkelwerden übte hier eine Trommlergruppe und wir waren alleinige Besucher des Konzertes.

Mal sehen, ob wir noch mehr Inseln erradeln. Außerdem wartet auch noch die alte Kaiserstadt Kyoto auf uns.

Bitte bleibt neugierig.

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Hiroshima – Die Geschichte von Sadako

Es sind noch 20 Kilometer bis in das Zentrum von Hiroshima zu radeln und es sieht so aus.

In Japan gibt es große Städte.

Die Geschichte von Sadako beginnt am 7. Januar 1943. An diesem Tag wurde Sadako in Hiroshima geboren. Als Sadako zwei Jahre alt war, wurde die erste Atombombe, die jemals gegen Menschen eingesetzt wurde, über Hiroshima abgeworfen. Der größte Teil der Stadt wurde davon in wenigen Minuten völlig zerstört und niedergebrannt.

Sadako war ungefähr zweieinhalb Kilometer vom Mittelpunkt der Bombenexplosion entfernt. Fast alle Häuser in ihrer Nachbarschaft wurden zerstört und viele ihrer Nachbarn starben. Sadako war weder verbrannt noch war sie verletzt. Sie schien unversehrt.

1955 war Sadako im siebten Schuljahr. Sie war ein normales, fröhliches zwölfjähriges Mädchen. Zehn Jahre waren seit dem Abwurf der Atombombe vergangen, und sie dachte nicht mehr daran. Statt dessen dachte sie an Sport. Sie war eine der schnellsten Läuferinnen in ihrer Klasse und verbrachte ihre Freizeit mit Training und bei Wettkämpfen.

Eines Tages fühlte sie sich nach einem Staffellauf sehr müde und schwindelig. In den folgenden Wochen versuchte sie, das Gefühl zu vergessen. Eines Morgens, als sie vor Schulbeginn noch eine Runde um den Schulhof lief, überfiel sie wieder die Schwäche. Und diesmal war es so schlimm, dass sie hinfiel und liegen blieb. Nun bemerkten es alle. Man brachte sie ins Krankenhaus. Sadako hatte Leukämie.

Zu der Zeit erkrankten zahlreiche Kinder in Sadakos Alter an Leukämie, der „Atombomben-Krankheit“. Fast jeder, der Leukämie bekam, starb. Sadako wollte nicht sterben. Sie wollte weiter zur Schule gehen und an Wettrennen teilnehmen. Als sie verstand, dass sie nun im Krankenhaus bleiben musste, weinte sie.

Kurz danach bekam Sadako Besuch von ihrer besten Freundin, Chizuko. Chizuko brachte Origami-Papier mit und faltete einen Papierkranich. Sie erzählte Sadako eine Legende. Sie sagte, dass der Kranich tausend Jahre alt wird und dass ein kranker Mensch wieder gesund wird, wenn er tausend Kraniche faltet.

Sadako beschloss, tausend Kraniche zu falten. Oft fühlte sie sich schwach und müde, so dass sie nicht ständig daran arbeiten konnte. Manchmal fühlte sie sich im Krankenhaus einsam oder ängstlich. Dann faltete sie Kraniche, um die schlimmen Gefühle zu bekämpfen. Sie merkte, dass Kraniche falten ein guter Weg war, um sich Mut zu machen.

Sadakos Freunde und Verwandten besuchten sie im Krankenhaus, sprachen mit ihr und halfen, Kraniche zu falten. Sadako wollte, fest daran zu glauben, dass sie wieder gesund würde, wenn tausend Kraniche fertig wären. Und tatsächlich schien es ihr besser zu gehen, nachdem sie fünfhundert Kraniche gefaltet hatte. Sie konnte sogar für einige Zeit nach Hause, doch am Ende der Woche musste sie wieder ins Krankenhaus.

Nach einiger Zeit spürte sie, dass sie sterben würde. Trotzdem hörte sie nicht auf, Kraniche zu falten. Das half ihr tapfer zu bleiben und es gab ihren Freunden und ihrer Familie ein besseres Gefühl. Selbst wenn sie unter schrecklichen Schmerzen litt, versuchte sie fröhlich und zuversichtlich zu sein.

Sadako hatte ihre tausend Kraniche tatsächlich fertig gefaltet, aber es ging ihr nicht besser. Sie hätte niedergeschlagen und wütend sein können. Tausend Kraniche zu falten hatten überhaupt nicht geholfen. Anstatt zornig zu sein oder aufzugeben beschloss sie, noch mehr Kraniche zu falten. Sie begann mit den nächsten Tausend.

Am 25. Oktober 1955 starb Sadako. Sie schlief friedlich ein, umgeben von ihrer Familie.
Trotzdem endet diese Geschichte nicht mit Sadakos Tod. Die meisten der Kinder in Hiroshima hatten einen Freund oder einen Verwandten verloren, und viele lebten mit der Angst, sie könnten selbst eines Tages an Leukämie erkranken.

Alle wollten etwas für Sadako tun. So gründeten 39 ihrer Klassenkameraden einen Verein und begannen, Geld für ein Denkmal für Sadako zu sammeln. Sie schrieben Briefe und sprachen jeden an, um eine Spende von 20 Yen (etwa 20 Cent) zu erbitten.

Ungefähr zur gleichen Zeit fand ein Treffen von Schulleitern aus ganz Japan in Hiroshima statt. Obwohl sie keine Erlaubnis hatten, gingen die Kinder zu dem Treffen. Sie forderten die Schulleiter auf, zu helfen. Die Schulleiter kehrten an ihre Schulen zurück und baten auch dort um eine Spende für das Denkmal in Hiroshima.

Die Nachricht verbreitete sich schnell. Schüler aus 3100 Schulen aus Japan und neun anderen Ländern spendeten Geld. Am 5. Mai 1958, fast drei Jahre nach Sadakos Tod, hatten sie genug gesammelt, um das Denkmal zu bauen. Es heißt „Das Kinder-Friedens-Denkmal“. Das Denkmal befindet im Friedenspark mitten in Hiroshima, genau dort, wo die Atombombe niederging. Wir haben den Friedenspark und das Denkmal besucht.

Die Aktion wurde so bekannt und berühmt, dass man einen Film darüber drehte. Er heißt „Tausend Papierkraniche“. Etwa 60 Kinder aus Hiroshima und 20 Kinder aus Tokio spielten in dem Film mit. Nach den Dreharbeiten beschlossen sie, zusammen zu bleiben. Sie gründeten den „Klub der Papierkraniche“. Ihr Ziel ist es, Kinder zusammenzubringen, die über den Frieden nachdenken und für ihn arbeiten wollen.

Aus dem Klub weniger Kinder ist heute eine fast weltweite Aktion geworden. Kinder aus allen Erdteilen falten Kraniche, ziehen sie zu langen Ketten auf und senden sie als Zeichen ihres Friedenswillens nach Hiroshima. Dort werden die Kraniche von Mitgliedern des Klubs am Kinder-Friedens-Denkmal aufgehängt – zur Erinnerung an Sadako und als warnendes Zeichen für die Zukunft.

Aus zwei Bordkarten, die wir noch in unseren Packtaschen fanden, hatten wir schon gestern zwei Papierkraniche gefaltet. Wir lassen sie bei den vielen anderen Kranichen.

Die Papierkraniche mahnen uns, alles zu tun, einen Atomkrieg zu verhindern.

Auf dem Granitsockel des Kinder-Friedens-Denkmals sind folgende Worte eingraviert:

Dies ist unser Ruf

Dies ist unser Gebet

Frieden zu schaffen in dieser Welt.

Bitte haltet ab und zu inne und bleibt neugierig.

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