NordTour 2014 – Tag 15 – Orientierungslos und der Gute Hirte

Nach ca. 20 Kilometern sahen wir einen Wegweiser nach Pajala. Wir freuten uns darüber, da wir vor einigen Jahren einen Bericht über deutsche Auswanderer nach Pajala gesehen hatten. Direkt bei dem Schild begann eine 7 Kilometer lange Baustelle. Diesmal war der Splitt richtig gemein und wir mussten uns sehr konzentrieren.

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Zwei Dinge waren auffällig. Es wurde heute am Sonntag intensiv gearbeitet. Alle Maschinen waren in Bewegung. Außerdem taten auch Frauen diesen harten Job.

Nach gut 6 Kilometern war es dann soweit. Susanne hatte einen Platten. Ich wechselte den Schlauch und Susanne schob den letzten Kilometer, aus Sorge, gleich wieder platt zu fahren.

Als wir dann wieder entspannt radelten und uns orientierten kam es ungefähr zu folgendem Dialog:
„Du, wir sind falsch.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooh.“
„Du, wir müssen die ganzen 7 Kilometer durch die Baustelle zurück fahren.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooh.“
Wir haben gegen Tourregel 5 verstoßen. Sie besagt: Fahre keine unnötigen Strecken. Da hilft nichts. Wir haben den Schweiß abgetupft, den Staub aus dem Trikot geklopft und die Räder um 180° gedreht, um den schwedischen Bauarbeitern noch einmal für 7 Kilometer bei ihrem Tagwerk zuzusehen. Ein bisschen tat es schon weh. Das mit dem bisschen war gelogen. Immerhin hatten wir bei der zweiten Durchfahrt keinen Platten.

Energie scheint in Schweden kein Problem zu sein. Lange Lichtertrassen an einsamen Landstraßen sind ein Zeichen dafür. Die Energie kommt von großen Wasserkraftwerken, die Herr Vattenfall gebaut hat. Eines war am Lilla Lule Älv. Ein schöner Name.

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Heute schlafen wir in einer christlichen Gemeinde, die auch Zimmer vermietet.

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Nicht, dass wir uns dies gezielt ausgesucht hätten. Es war einfach nur der einzige Ort auf einer Strecke von 52 Kilometern nach Vittangi. Wir wurden freundlich angesprochen und als Maria, eine ältere Schwedin von unserer Tour und auch der Spendenaktion hörte, fragte sie, ob sie für uns beten dürfe. Natürlich. Sie nahm unsere Hände und tat es sehr eindrucksvoll.

Morgen wollen wir Schweden in Richtung Finnland verlassen. Es ist unglaublich, wie weit wir schon gekommen sind. So langsam trauen wir uns, an das Nordkapp zu denken. Es sind noch ca. 574 km zu fahren.

Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 111
Gesamtkilometer: 1.963
Kilometer bis zum Nordkapp: 574
Tageshöhenmeter: 481
Gesamthöhenmeter: 14.134
Standort N 68° 05.487 E 021° 41.738
Spendenstand 135 Cent je Kilometer (neue Spender: Stefan Gietl 1 Cent, Danke)
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

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nächster Tag – weiter nach Norden!

NordTour 2014 – Tag 14 – Von Motivation und Innlandsbahnen

Vor vielen Jahren gewann Boris Becker als erster Deutscher Wimbledon. Im Interview gab er immer an, dass alles im Kopf entschieden wird. Damals habe ich das nicht verstanden.

Auch unsere Tour ist Kopfsache. Die Motivation ist entscheidend. Die ersten Tage hatten wir als Ziel, die ersten 100, 500 und dann 1000 km zu schaffen. Man kann aber auch auf den Tacho schauen und irgendwann entdeckt man bei 1492 Amerika. Gestern haben wir den 30 Jährigen Krieg überstanden. Heute gab es die Französische Revolution und sogar noch die Völkerschlacht. Sicher ist diese Art der Tachomotivation limitiert, aber wir freuen uns durchaus, wenn wir 1945 die zwei Weltkriege hinter uns gelassen haben oder auf den Tachostand der Wiedervereinigung.

Ja, ich gebe zu, über die Strecke haben wir dieses Konzept auch noch nicht wirklich nutzen können, schließlich ist dies hier unsere längste Tour. Allerdings kann man die geschichtlichen Daten auch bei Höhenmetern in den Alpen anwenden. Man fährt einen Pass mit 2000 Metern und da funktioniert das auch.

Ansonsten sind die Landschaften unsere Motivation.

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Die schwedischen Straßen sind perfekt, glatt und ohne Schlaglöcher und das meine ich auch für die Ränder. Damit es so bleibt, muss man auch mal sanieren. Heute hatten wir die erste wirkliche Baustelle. Die Schweden räumen dazu die alte Straße komplett ab. Wir fuhren dann heute 7 km über eine Schotterpiste.

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Unsere Rennradbereifung hat die Baustelle aber gut überstanden. Susanne fährt übrigens 23 mm und ich 25 mm Reifen.

In Gällivare verließ uns die Inlandsbahn.
Über 746 km, ab Östersund lief sie fast immer parallel zu unserer Straße. Auf dieser Strecke verkehrt täglich genau ein Zug in jede Richtung und er benötigt 14 Stunden. Die Bahn wird überwiegend von Touristen genutzt.

An einigen wenigen Bahnhöfen der Strecke gibt es noch Formsignale.

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Formsignale sind mechanische Eisenbahnsignale, bei denen der Signalbegriff durch bewegliche Elemente dargestellt wird. Formsignale werden seit der Anfangszeit der Eisenbahn nach dem Vorbild der optischen Telegrafie verwendet. Bei uns sind sie in der Regel durch Lichtsignale verdrängt worden.

Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 153
Gesamtkilometer: 1.852
Höhenmeter: 1.152
Gesamthöhenmeter: 13.653
Standort N 67° 29.421 E 021° 07.133
Spendenstand 134 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

 

nächster Tag – weiter nach Norden!

NordTour 2014 – Tag 13 – Brauchtumsbaum und Polarkreis

Die südlichste geografische Breite, auf der am längsten Tag des Jahres die Sonne gerade nicht mehr unter geht,  nennt man nördlicher Polarkreis.

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Wir haben den Polarkreis bei 66° 33.733 kurz vor Jokkmokk erreicht.

Die Erdachse steht im Verhältnis zur Sonne in einer Neigung von 23° 26.277. Ich gebe nach den Grad Dezimalminuten an. In dieser Schreibweise ist auch unsere aktuelle Position im Statistikteil unten angegeben. Wenn ihr die 66° 33.733 und 23° 26.277 addiert, erhaltet ihr 90 Grad. Cool.

Da sich im Sommer der Nordteil unseres Planeten gen Sonne neigt, gibt es also einen Bereich, in dem die Sonne nie unter geht.

Zur Weihnachtszeit sieht man so weit im Norden folgerichtig gar keine Sonne. Diese dunkle Zeit, ist die Zeit der Weihnachtsbäume. Vermutlich freuen sich die Schweden schon so sehr auf diese Zeit, dass einige von ihnen schon jetzt beginnen, Brauchtumsbäume zu schmücken.

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Ich nenne dieses Exemplar Männerweihnachtsbaum ;-).

Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 111
Gesamtkilometer: 1.699
Höhenmeter: 1.006
Gesamthöhenmeter: 12.501
Standort N 66° 36.398 E 019° 49.986
Spendenstand 134 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

NordTour 2014 – Tag 12 – Im Land des Wildling

Ist man auf so einer Tour immer gleich gut drauf? Nein. Ich kann mehrere Phasen beschreiben.

Es gibt die Phase 1, das sind die ersten zwei Tage. Ich nenne sie Wochenendmodus. Die Akkus sind voll. Man ist ausgeruht. Da kommt ein Hügel oder der Wind weht steif von vorn. Egal, man tritt etwas fester und alles ist schick. Nichts tut weh.

Dann kommt Phase 2, das sind die Tage 3 bis 7. Nennen wir sie Tourmodus. Die Akkus sind nicht mehr voll und es tut jeden Tag an einer anderen Stelle etwas weh. Nach Phase 1 haben noch nicht alle im Körper begriffen, dass es eben nicht gleich wieder in den Büromodus zurück geht. Bei mir haben diesmal Po und Knie angefangen zu diskutieren. Mit viel Niveacreme war der Eine zu besänftigen. Für das Knie musste schon mal Druck von der Pedale genommen werden. Am Ende der Phase 2 haben sich alle damit abgefunden, dass es kurzfristig kein Zurück in den Kuschelkomfortmudus gibt.

Bei einer so langen Tour ist es dann wichtig den Stoffwechsel so hinzugekommen,  dass man die Reserven nicht aufbraucht. Für uns bedeutet das viel Essen und Trinken.

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Heute trafen wir gleich zum Start ein radelndes holländisches Pärchen. Sie sind mit der Inlandsbahn, einer alten einspurigen Eisenbahnlinie, neben der wir schon seit Östersund herfahren, bis Gällivare gefahren und radeln nun zurück. Das ist auch eine tolle Urlaubsvariante. Sie wollen sich heute den Wildling in Storuman anschauen.

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Er ist wirklich groß und er ist das Wappensymbol von Lappland. Wir fuhren über Arvidsjaur bis Moskosel. Dort hatten wir uns wieder eine Stuga reserviert.

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Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 129
Gesamtkilometer: 1.588
Höhenmeter: 1.009
Gesamthöhenmeter: 11.495
Standort N 65° 52.991 E 19° 027.687
Spendenstand 134 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

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nächster Tag – weiter nach Norden

NordTour 2014 – Tag 11 – Wieviel Energie haben Blaubeeren?

Bei beinahe allen Rasten, und wir machen viele, fanden wir Blaubeeren.

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Mmmhh, lecker! Könnten wir uns  eigentlich nur von Blaubeeren ernähren? Mal überlegen.

Man benötigt für eine Stunde Radfahren ca. 700 kcal. Wir fahren täglich zwischen 5 und 8 Stunden. Nehmen wir 6 Stunden. So verbrennen wir 4.200 kcal.

In 100 Gramm Beeren sollen ca. 42 kcal sein. Wir bräuchten also 10 kg Beeren. Das passt ja prima ;-).

Wir pflücken vielleicht 100 Gramm Beeren in 10 Minuten. Wir hätten also die benötigten 10 kg in 1.000 Minuten, also gut 16 Stunden zusammen.

Ich glaube, nun ist es ganz klar, warum sich der Mensch neben den Beeren noch andere Energiequellen erschlossen hat. Elchfleisch wäre in dieser Gegend so eine Option. Wir fahren jedenfalls regelmäßig die Supermärkte der Region zum Energie nachtanken an.

Apropos nachtanken, da habe ich noch ein Bild.

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Inzwischen sind wir in Sorsele angekommen. Heute schlafen wir wieder in einer Stuga auf einem Campingplatz.

Mal sehen was der neue Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 140
Gesamtkilometer: 1.459
Höhenmeter: 965
Gesamthöhenmeter: 10.486
Standort N 65° 32.052 E 017° 31.525
Spendenstand 134 Cent je Kilometer (neue Spender: Kerstin und Jörg Maluche)
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

Tag11

nächster Tag – weiter nach Norden

NordTour 2014 – Tag 10 – Das erste Lapplandschild

Wenn man sich im Sommerhalbjahr nach Norden bewegt, so verlängert man seinen Tag. So ging für uns heute die Sonne in Strömsund um 3:11 Uhr auf. In Magdeburg tat die Sonne das erst um 5:56 Uhr. Jetzt sind wir in Vilhelmina und unsere Sonne geht um 22:02 Uhr unter …

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… während es in Magdeburg schon um 21:03 Uhr dunkel wird. Wir haben heute auf unserer NordTour also 224 Minuten länger Tageslicht als zu Hause. Dies erfahren wir uns im wahrsten Sinne des Wortes.

Und das Tageslicht ist hier verdammt schön.

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Nachdem wir heute früh unsere Stuga abgegeben haben, machten wir uns auf die Nahrungsuche. Im ortsansässigen Hotel, welches ausgebucht war, waren wir erfolgreich. Gegen ein paar Hand voll Kronen konnten wir unseren Hunger stillen. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass man auf solch einer Tour immer Hunger hat und demzufolge immer am Essen ist.

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Gegen Mittag trafen wir Nico aus Limburg. Er ist von Belgien in einem Monat bis hier her geradelt. Wir treffen relativ selten Radler, die so lange Touren machen. Woran das nur liegt?

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Lappland wir kommen :-).

Inzwischen sitzen wir bei herrlichem Sonnenschein im Hotelwintergarten und werden gleich Elch essen. Ja, da wäre noch ein Wunsch für unsere NordTour.

Mal sehen, ob wir das Glück haben und was der neue Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 133
Gesamtkilometer: 1.319
Höhenmeter: 900
Gesamthöhenmeter: 9.521
Standort N 64° 37.444 E 016° 39.334
Spendenstand 133 Cent je Kilometer (neue Spender: Uta Bäthge 1 Cent)
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

Tag10

nächster Tag – weiter nach Norden

NordTour 2014 – Tag 9 – Unsere erste Stuga

Man kann ja mal seine Küchenschränke leeren. Dann könnte man zählen, wie viele unterschiedliche Geräte man vor sich hat. Sie können mit oder ohne Schnur sein. Da gibt es Mixer, Wasserkocher oder auch Brotbackautomaten.  Manche haben auch Nudelmaschinen oder auch Salatschleudern. Die Zahl der unterschiedlichen Gerätschaften ist überraschen hoch.

Aber, habt ihr auch eine Tubenausdrückmaschine?

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Die könnte man bestimmt auch für Zahnpastatuben benutzen ;-). Wir mussten jedenfalls erst nach Schweden fahren, um diese absolut lebensnotwendige Gerätschaft kennen zu lernen.

Den Tag begannen wir mit einer Stadtrundfahrt durch Östersund. Im Jamtli kann man sich mit der Geschichte des Jämtlandes beschäftigen.

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Heute gab es neue Namen auf den Schildern.

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Wenn man bedenkt, dass im Jämtland im Durchschnitt 3 Einwohner auf dem Quadratkilometer leben und wir gerade Östersund mit 44.000 Einwohnern verlassen haben, dann kann man sich leicht ausrechnen, dass es Tausende völlig menschenleere Quadratkilometer gibt.

Heute schlafen wir in einer Stuga bei Strömsund.  Stuga ist der schwedische Begriff für ein Ferienhaus. Wir haben eine sehr einfache Stuga auf einem Campingplatz gemietet.

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Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 105
Gesamtkilometer: 1.186
Höhenmeter: 881
Gesamthöhenmeter: 8.621
Standort N 63° 50.677 E 015° 31.975
Spendenstand 132 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

Tag9

nächster Tag – weiter nach Norden