Tee mit Waleri

Oft kommt man am Straßenrand nicht wirklich ins Gespräch. Doch heute hat es mal wieder geklappt. Wir machten an einem kleinen Cafe Rast und tranken einen solchen. In Russland ist meist ein gehäufter Esslöffel Zucker im Kaffee. Am Nachbartisch saß Waleri mit seinem Freund aus Baku. Wir wurden zum Tee eingeladen.

rps20170629_152033_752

Zuerst erklärten die beiden uns, wie man Tee richtig trinkt. Man nimmt ein kleines Stück Zucker in den Mund und trinkt den Tee durch das Stück Zucker. Ok.

Es stellte sich heraus, dass Waleri  in der Schule 6 Jahre lang die deutsche Sprache erlernt hatte, von Klasse 5 bis 10. Wie so viele bei uns Russisch erlernt haben. Da er es nie genutzt hat, waren seine Kenntnisse völlig eingerostet. Aber was war es für eine Freude, als nach und nach Wörter wie Schule, Freundschaft, spazieren gehen, Tee mit Zucker und viele weitere aus seinem Gedächtnis hervorsprudelten. Solche Begegnungen sind klasse.

Dann tauschten wir uns noch über den Confedcup, das Wetter und die gute alte Zeit aus. Jetzt begleiten uns die besten Wünsche von Waleri. Das ist doch cool.

Die Übernachtung planen wir am Vorabend und buchen, wenn möglich, über booking.com vor. Heute konnte uns dieses Portal im gewünschten Zielgebiet bei Wjasniki so gar kein Angebot unterbreiten. Wir wichen von der optimalen Route ab und fuhren zum Hotel im Ortskern. Puh, sah das heruntergekommen aus. Wir drehten zwei Runden und fuhren wieder aus Wjasniki heraus. Das waren 10 Extrakilometer. Das nächste Motel wollte uns nicht, doch dann hatten wir Glück.

DSC02922 (1024x683)

Wir checkten ein. Es ist echt irre, was die Gastgeber laut Gesetz beim Besuch von Ausländern tun müssen. Die Dame vom Motel kopierte alle (!) 32 Seiten, auch die leeren Seiten unserer Reisepässe. Egal!

Neben dem Hotel gab es ein Fernfahrerrestaurant, das 24 Stunden geöffnet hatte. Neben einem kräftigen Abendessen aßen wir dort kurz nach 6 Uhr ein super Frühstück. Übrigens trafen wir morgens die selben netten Damen wieder. Heute Abend schlafen wir in Nischni Novgorod.

Mal sehen, wie es an der Wolga ist. Bitte bleibt neugierig.

Wladimir 40° Ost! – Wjasniki 42° Ost! – Weiter nach Osten, dann klick hier!

Etappe 3: Wladimir – Wjasniki 129 Kilometer

 

Wladimir in Wladimir

Wir sind in Wladimir ca. 200 Kilometer östlich von Moskau. Als eine der führenden Städte der Rus, noch vor Moskau, erlebte Wladimir im 12. und 13. Jahrhundert seine Blütezeit. Die Rus ist der Vorläufer der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland.

Ursprünglich lag das Zentrum der Rus in Kiew. Doch dort fielen die Mongolen ein, so dass eine große Migrationbewegung nach Norden einsetzte und sich somit das Zentrum nach Wladimir verlagerte.

Wladimir ist bekannt für die „Weißen Monumente von Wladimir und Susdal“, ein UNESCO-Weltkulturerbe. So radelten wir auf das „Golden Gate“ (erbaut 1158 bis 1160). Ein ganz schön „altes Möbel“.

rps20170627_201605

Solche „Goldenen Tore“ gab es außer in Wladimir nur noch in den heiligsten orthodoxen Städten, wie Jerusalem, Constantinopel und Kiew.

Zum Weltkulturerbe gehört auch die Mariä-Entschlafens-Kathedra von Wladimir. Einfach beeindruckend, was hier vor knapp 900 Jahren gebaut wurde.

rps20170627_201748_713

Auch die Demetrius-Kirche ist einen Blick wert. Da entdeckt man im kristlichen Kreuz einen Halbmond.

DSC02900 (663x1024)

Damit der Beitragstitel einen Sinn ergibt, haben wir noch ein Foto von Wladimir Iljitsch Lenin, den es in Wladimir natürlich auch gibt.

rps20170628_220830_994

Wir verlassen Wladimir auf der M7 in Richtung Osten. Wir wollen nach Nischni Novgorod. Wir waren noch nie in dieser Millionenstadt an der Wolga, die lange Zeit für Besucher gesperrt war. Darauf freuen wir uns schon.

Bitte bleibt neugierig.

zurück nach Noginsk 38° Ost! – Wladimir 40° Ost! – Weiter nach Osten, dann klick hier!

Etappe 2: Noginsk – Wladimir 125 Kilometer

Regen und Sonne im Oblast Moskau

Es regnete, wir stiegen auf unsere Räder und radelten bestimmt 50 Kilometer durch das Stadtgebiet von Moskau. Viele Gebäude waren nicht wirklich attraktiv.

rps20170625_182839_388

Weitere Kilometer in eher ländlicher Gegend auf einer Nebenstraße schlossen sich an.

Frei nach REM könnte es heißen „Leaving Moskau never easy“. Übrigens, wer mal New York in kyrillisch lesen möchte – bitte:

rps20170627_174123_606

Die Sonne lacht und wir sitzen in Ногинск (Noginsk) am See.

rps20170625_183016_978

Die wichtigsten Dinge, Handy links und Wasser rechts, haben wir immer am Mann und natürlich auch an der Frau. Übrigens haben wir bisher überall problemlos WLAN-Zugang. Das ist cool.

Gleich gibt es Pelmini bei russischer Musik. Englisch spricht hier keiner mehr.

Morgen wollen wir nach Владимир. Wladimir ist bekannt für die „Weißen Monumente von Wladimir und Susdal“ ein UNESCO-Weltkulturerbe. Wir sind gespannt.

Bitte bleibt neugierig.

zurück nach Moskau, 37° Ost! – Noginsk 38° Ost! – Weiter nach Osten, dann klicke hier!

Etappe 1: Moskau-Noginsk 96 Kilometer

Auf nach Osten! 

Wir haben einen Flug nach Moskau gebucht. Die Fahrräder sollen mit. Also habe ich sie fein verpackt. Das zweite Rad sogar erst im Regionalexpress. Warum? Am Reisetag brachte ich Frau Traumradlerin, einen Karton mit dem Rad von Frau Traumradlerin und einen leerer Karton per Auto zum Bahnhof. Dann fuhr ich schnell nach Hause und mit meinem Rad zum Bahnhof. Ich war pünktlich, der Zug fuhr ein. Im Regionalexpress demontierte ich mein Rad und ließ es auch im leeren Karton verschwinden. Nach einem Umstieg erreichten wir Berlin-Schönefeld.

rps20170625_181956_495

Das Aufgeben der Räder verlief problemlos. Sieht man mal davon ab, dass wir beinahe eine Flughafenevakuierung ausgelöst hätten. Am Checkin hieß es, wir müssten erst am Aeroflot-Schalter auf der anderen Hallenseite das Sportgepäck bezahlen. Erst wenn wir bezahlt hätten, würden wir wieder am Checkin die Bordkarten erhalten, die wir beim Aufgeben der zwei Kartons am Sperrgutschalter vorlegen müssten. Während des ganzen Hin- und Hergelaufe ließen wir unsere roten Radtaschen kurze Zeit alleine. Nette Herren mit Maschinenpistolen erschienen. Zum Glück waren wir dann da. Kurze Zeit später landeten wir weiter im Osten.

rps20170625_182040

Bei der Einreise erhielten wir wieder das Einreiseformular.

rps20170625_182141_507

Teil A verblieb beim Beamten und Teil B wandert in unseren Reisepass. Wir dürfen „B“ nicht verlieren, denn wir müssen „B“ bei der Ausreise wieder vorlegen.

Unser erstes Hotel war in Flughafennähe, so dass wir die Räder mit auf die Zimmer nahmen und dort in Ruhe zusammen bauten. Am nächsten Morgen schenkten wir der Rezeptionistin zwei leere Kartons.

Es regnete, wir stiegen auf unsere Räder und radelten los.

Bitte bleibt neugierig.

Magdeburg 11° Ost! Moskau 37° Ost! Weiter nach Osten, dann klick hier!

Geh ich nach Osten oder Westen – ein Besuch des Nullmeridians in Greenwich

Bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts hatten viele Städte ihre eigene Ortszeit, die jeweils vom Stand der Sonne abhängig war. Nationale oder internationale Konventionen, die den Beginn bzw. das Ende eines Tages oder auch dessen Länge festlegten, gab es noch nicht.

Erst durch den Eisenbahnbau und die damit geschaffene Möglichkeit, weiter zu reisen, wurde der Ruf nach einer einheitlichen Zeit laut. So wurde im Jahr 1847 die Greenwich mean time (GMT) in Großbritannien offizielle „railway-time“. Im Jahr 1880 war die GMT dann offizielle Standardzeit in ganz Großbritannien und 1884 wurde der Greenwich Meridian der Welt auf der Meridian Konferenz als Nullmeridian empfohlen.

In Greenwich kann man heute einen Messingstreifen entlang dieses Nullmeridians besuchen. Aus dem kleinen viereckigen Loch im Dachgiebel kann man seit dem 16.12.1999 ein starker grüner Laserstrahl sehen, der in der Nacht nach Norden durch London leuchtet. Die Sherpherd Gate Clock war die erste Uhr, die der Öffentlichkeit die Greenwich mean Time (GMT) anzeigte. Interessanterweise besitzt sie eine 24-Stunden-Anzeige. 

Diese Uhr war gekoppelt mit der Zeitkugel. Das ist ein Signalball, der an erhöhter Stelle angebracht ist und um 13.00 Uhr fallen gelassen worden ist. Mit diesem optischen Signal war es dem Seeleuten auf der Themse möglich, ihre Schiffschronometer auf Genauigkeit zu überprüfen.

Ein Besuch ist sehr empfehlenswert und da man einen audioguide nutzen kann, sollte man insgesamt etwa 1,5 Stunden einplanen.

Seid ihr auch schon mal auf dem Nullmeridian unterwegs gewesen?

Jede Zeit ist spannend. Bitte bleibt neugierig.

Vorbereitung einer Radreise

Zur Vorbereitung einer längeren Radreise gehört auch ein Blick auf das Werkzeug und die Ersatzteile. Das ist umso sinnvoller, je weniger Fahrradinfrastruktur im Zielgebiet vermutet wird. In Kuba haben wir beispielsweise nicht erwartet, dass man in der nächsten Stadt Ersatz für eine gerissene Shimano-11-Gang-Fahrradkette erhält.

Ich habe letztes Jahr Werkzeuge und Ersatzteile fotografiert, die wir auf unserer Osttour mitgeführt haben.

Werkzeug

a) zwei Ersatzschläuche je Radler (da wir zu zweit sind, haben wir vier Schläuche)
b) ein paar Mantelheber je Radler
c) ein Multitool je Radler
d) ein leichtes Kabelschloss je Radler, verhindert das einfache Wegnehmen des Fahrrades
e) Flickzeug
f) Ersatzkettenglieder
g) Kettennieten
h) Adapter für Sclaverandventil (wenn man an einer Autotankstelle Luft holt)
i) sehr kleiner Inbusschlüssel (nicht am Multitool)
j) Gummistück (MacGyver-man weiß ja nie)
k) ein Teil von unseren Klick-Mountenbikeschuhen
l) Ersatzschrauben und Muttern
m) Kettenöl mit einem Stück Mantel umwickelt (MacGyver-man weiß ja nie)
n) Montagepaste
o) Maulschlüssel Größe 10/11
p) Erstazspeichen und Nippel
r) Kabelbinder (MacGyver- man weiß ja nie)

Bis auf die Speichen findet alles Platz in zwei kleinen Werkzeugsatteltaschen. Diese hängen bei uns Zweien unter den Sätteln.

Wir bereiten gerade unsere nächste Radreise vor und suchen die Ersatzteile und Werkzeuge zusammen. Wäre schön, wenn wir nichts davon brauchen würden.

Bitte bleibt neugierig.

Fahrradtag – eine gute Idee

Eines ist gewiss, unsere Städte brauchen neue Verkehrskonzepte!

Heute trafen sich in Magdeburg mehr als 1000 Radler. Sogar auf dem Magdeburger Ring, unserer Stadtautobahn, hatten wir Radler auf einer Seite freie Fahrt.

Unsere „Fingerfesthalterin“ (roter Helm) war auch mit von der Partie. Es ging durch Tunnel, durch die sonst nie ein Radler fahren darf.

rps20170617_174654_611

Bei tollem Wetter und guter Stimmung ging es also „mit’s Rad nach Stadt“.

rps20170617_174500_754

Attraktive Lösungen für Fahrradverkehr sind ein Ansatz für lebenswerte Innenstädte.

Bitte bleibt neugierig.