War da nicht ein preußischer Meilenstein?

Wer uns schon länger folgt, kennt unseren Faible für Meilensteine. Wir radelten also so vor uns hin, da sah ich einen Meilenstein. Es kann ja kein Preußischer Meilenstein sein, aber mal gucken.

Toll, hier geht also der Längengrad der japanischen Standardzeit entlang. Und was steht da an der Seite? Ich muss erst einmal das Grünzeug heruntertreten.

Wir radelten weiter. 135 Grad Ost, wenn das was mit der echten Sonnenzeit zu tun hat, muss das dann nicht durch 24 oder 12 oder wenigstens durch 2 teilbar sein. Auf dem Fahrrad bekam ich das im Kopf nicht klar.

Abends, in Ruhe, brachte ich Ordnung in die Gedanken. Also, unsere Erde ist eine Kugel und über die legen wir 360 Längengrade. Weiterhin haben wir definiert, dass sich die Erde in 24 Stunden ein Mal um sich selber dreht.

360 Grad / 24 Stunden = 15 Grad/Stunde

In einer Stunde wandert unsere Sonne demnach über 15 Längengrade. Japans Standardzeit ist neun Stunden der Greenwich mean time (GMT) voraus. Im Osten geht die Sonne halt früher auf :-).

9 Stunden * 15 Grad/Stunde = 135 Grad

135 Grad steht auf dem Obelisken. Alles passt, ich bin zufrieden. Kurz noch mal über unsere Zeit nachgedacht. Bei Görlitz liegt der 15. Längengrad. Dort gehen also die Uhren nach der Sonne richtig.

Jede Zeit ist spannend. Bitte bleibt neugierig.

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Geh ich nach Osten oder Westen – ein Besuch des Nullmeridians in Greenwich

Bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts hatten viele Städte ihre eigene Ortszeit. Die Zeit war vom Stand der Sonne abhängig. Es gab noch keine nationalen oder internationalen Konventionen, die den Beginn bzw. das Ende eines Tages oder auch dessen Länge festlegten.

Erst durch den Eisenbahnbau und die damit geschaffene Möglichkeit, weiter zu reisen, wurde der Ruf nach einer einheitlichen Zeit laut. So wurde im Jahr 1847 die Greenwich mean time (GMT) in Großbritannien die offizielle „railway-time“.

Im Jahr 1880 war die GMT dann offizielle Standardzeit in ganz Großbritannien und 1884 wurde der Greenwich Meridian der Welt auf der Meridian Konferenz als Nullmeridian empfohlen.

In Greenwich kann man heute einen Messingstreifen entlang dieses Nullmeridians besuchen. Aus dem kleinen viereckigen Loch im Dachgiebel kommt seit dem 16. Dezember 1999 ein starker grüner Laserstrahl, der in der Nacht nach Norden durch London leuchtet. Die „Shepherd Gate Clock“ war die erste Uhr, die der Öffentlichkeit die Greenwich mean Time (GMT) anzeigte. Sie besitzt eine 24-Stunden-Anzeige.

Diese Uhr war gekoppelt mit der Zeitkugel. Die Zeitkugel ist ein Signalball, der an erhöhter Stelle angebracht ist. Der Ball wurde um 13.00 Uhr fallen gelassen. Mit diesem optischen Signal war es dem Seeleuten auf der Themse möglich, ihre Schiffschronometer auf Genauigkeit zu überprüfen.

Ein Besuch ist empfehlenswert und da man einen Audioguide nutzen kann, sollte man insgesamt etwa 1,5 Stunden einplanen.

Seid ihr auch schon mal auf dem Nullmeridian unterwegs gewesen?

Jede Zeit ist spannend. Bitte bleibt neugierig.

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