Verschellen

Wenn man feststellt, dass jemand unauffindbar verschwunden ist, kann man sagen, er ist verschollen. Aber wie heißt die Präsensform? Wir haben uns auf verschellen geeinigt und fühlen uns auch ein wenig so. Wir verschellen also gerade.

Im Reiseführer stand, dass Matanzas eine kleine verschlafene Provinzhauptstadt ist. Kompletter Unsinn. Wir haben noch nie eine so lebendige Stadt gesehen. Gefühlt waren in jeder Straße und auf jedem Platz sämtliche 120 Tausend Einwohner inklusive aller Verwandten anwesend. Unglaublich.

Natürlich waren die ersten drei Casa Particular belegt. Nun durften wir das Netzwerken der Casa- Eigner erleben. Es wurde telefoniert und vermittelt und kurze Zeit später hatten wir ein Quartier.

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Diesmal nahmen wir das Angebot, in der Casa zu essen, an und haben es nicht bereut.

Dienstag früh baten wir die Gastgeber um zwei große Wasserflaschen und ab ging es nach Jagüey Grande, so dachten wir.

Ob Genosse Vladimir Iljitsch Lenin im kalten Sankt Petersburg klar war, dass knapp 100 Jahre später Bananenplantagen in der Karibik nach ihm benannt sein würden.

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Es kam, wie es uns oft passiert. 10 km vor dem Tagesziel trafen wir ein deutsch/rumänisches Pärchen. Sie erzählten uns vom tollen Strand in der Schweinebucht. Auf die zusätzlichen 30 km kommt es in der karibischen Hitze auch nicht an. Fidel hat sich davon ja auch nicht schrecken lassen. Als wir uns in das azurblaue Wasser stürzten parkten unsere treuen Räder unter Palmen.

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Es war eine gute Entscheidung. Unsere Casa hätten wir nie selber so ausgesucht. Margarita saß wohl den ganzen Tag mit einem Schild an der Straße. Wir ließen uns ansprechen und dann in die dritte Reihe führen.

Und im nächsten Bericht gibt es ein Kubarätsel.

Strecke am 03.02.15 Matanzas- Playa Larga

Übernachtung: Hostel Margarita, Playa Larga, KM33 frente al Hotel de Playa Larga, Cienaga de Zapata (war ok, aber nicht top)

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Casa Blanca und Bananen

Die Räder sind montiert. Wir können die Fahrradverpackung in der Casa lassen. Super. Mary, unsere Vermieterin wünscht uns ein gute Reise. Wir fahren den Malecon, die Strandstraße von Havanna entlang. Die Bucht von Havanna unterfahren die Autos durch einen Tunnel. Wir nehmen die Fähre. Die Fähre ist nicht ausgeschildert. Wir finden sie trotzdem. Am Eingang stehen vier Polizisten, die unsere Taschen kontrollieren. Ob sie staunten, was Radfahrer so in den Taschen haben? Unsere Fähre war die nach Casa Blanca.

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Die Fähre durfte ich nicht fotografieren. Als ich das versuchte, kam sofort ein Polizist und drohte. In diesem Moment wurde ich glatt unsicher und fragte mich, ob dieses uralte rostige Boot in Deutschland durch den TÜV gekommen wäre.

In Casa Blanca angekommen, hätten wir den Zug nehmen können.

Von Nahem sah der Zug aus, als ob er sich keinen Meter mehr aus eigener Kraft bewegt. Wir radelten lieber los.

Militär ist ganz wichtig.

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Unsere Sorge, dass wir auf schlechte Straßen treffen könnten, war unbegründet. Gut fanden wir auch die Zeitzähler an den Ampeln. So wussten wir immer, ob sich ein Beschleunigen vor der Ampel lohnt :-).

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In diesem Fall hatten wir es für das Foto gelassen.

Unser Ziel hieß Matanzas. Unterwegs hat Susanne noch ein Staude mit ca. 50 kleinen Bananen für 1 CUC von einem Straßenhändler erstanden.

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Manchmal kommt mir Monkey Island in den Sinn.

Übernachtung: Casa prarticular Raisa Rodriguez e Hijos, Calle 85 (Medio) #29215 e/ 292 (Zaragoza) y 294 (Manzaneda), Matanzas, Cuba

Strecke am 02.02.15: Havanna-Matanzas 114 km

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Ein Tag in Havanna #2

Der Verfall der Bausubstanz ist extrem. So sehen normale Straßen in Havanna Centro aus.

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Nur in Havanna Vieja, dem UNESCO Weltkulturerbe, ist die Stadt genial schön. Susanne hatte beim Spaziergang immer ihre Kanone dabei.

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Natürlich gab es an allen Ecken ganz viel zu sehen: uralte Läden,

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(Man beachte auch den Kunden, den man vermutlich nach karibischer Art etwas zu lange warten ließ.) und kleine grüne Oasen

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(Hier reitet Sancho Pansa vor kubanischen Hochhäusern.).

Schließlich benahmen wir uns wie Touristen und mieteten ein rosa 1954-er Mercury Cabrio.

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Eine Stunde ging es damit durch die Stadt. Großartig.

Abends trafen wir 100 Meter von unserer Casa Particular entfernt Geocacher aus Deutschland und Kuba. Das war kein Zufall, denn wir hatten zum Event am Denkmal von Antonio Maceo eingeladen. Na ja, wir waren dann doch nur zu siebent, wobei immerhin ein Cacher aus Kuba war. Wenn man bedenkt, dass GPS-Geräte in Kuba verboten sind und Internet extrem teuer ist, dann ist es schon cool,  dass es überhaupt Geocacher in Kuba gibt.

Frank, der kubanische Cacher erzählte, dass er von 20 CUC im Monat lebt. Juan, der Taxifahrer vom ersten Tag, erzählte uns, dass er als Ingenieur für Maschinenbau in einem Staatsunternehmen 80 CUC im Monat verdient. Wir haben in Havanna Preise für eine Pizza von 15 CUC gesehen. Eine Stunde Internet kostete uns 7 CUC, fast die Hälfte des Monatsbudgets, das Student Frank zum Leben hat. Mir kommt Monkey Island in den Sinn. Die Insel ist verrückt.

Im nächsten Bericht geht sie los unsere Fahrradtour durch Kuba. Wir starten mit einer Fährfahrt.

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Ein Tag in Havanna

Landung in Havanna. Warme Luft schlug uns entgegen. Die Einreisemodalitäten waren kein Problem. Viel Personal in schmucken Uniformen fertigte uns ab. Zwei unserer vier kleinen Fahrradgepäcktaschen haben uns als Handgepäck begleitet. Die anderen zwei drehten auf dem Gepäckband schon ihre Runden. Wo können wir unsere Fahrräder bekommen? Susanne fragt an der Gepäckausgabe. Dort zeigte man nur weiter nach hinten in die Halle. Mitten in der Halle standen sie, unsere zwei Fahrradtaschen.

Unsere erste Unterkunft in der „Casa de Mary“ hatten wir für 52 Euro (plus zwei Euro Verwaltungsgebühr) für zwei Nächte von zu Hause aus schon gebucht. Gleichzeitig haben wir auch ein Taxi bestellt. Tatsächlich, da steht ein Mann der ein Schild mit unserem Namen hochhält. Er begrüßt uns und bringt uns zu einem Geldwechselbüro. Geduldig wartet er, während wir unsere ersten CUC erwerben. Dann bringt er uns zu einem klapprigen Lada. Die Taschen mit unseren Rädern laden wir lieber selber ein. Es wird extrem eng in dem Lada. Dann geht sie los unsere erste Fahrt in das nächtliche Havanna. Die Straßen sind hell beleuchtet.

Die ersten zwei Tage schauten wir uns Havanna zu Fuß, ohne Fahrrad an.

Nach dem guten Frühstück schauten wir aus dem Fenster. Wenn man genau hinschaut (Klick auf Bild macht es größer) so sind beinahe alle Häuser extrem renovierungsbedürftig.

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Heute wollten wir zu Fuß Havanna erkunden. Es ging am Malecon entlang zum alten Zentrum. Selbst am frühen Vormittag hört man überall Musik.

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Von Freunden haben wir ein Maskottchen geschenkt bekommen. Es ist ein Deichbiber und der wollte gerne auf einer Kanonenkugel reiten.

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Kanonen sind übrigens was ganz Wichtiges. Sie werden überall im Straßenbau als Poller verwendet.

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Na das ist ja mal eine sinnvolle Nachnutzung für militärische Ausrüstung.
Auf einem wunderschönen Platz sahen wir gaaaaaaanz viele Bären aus Deutschland.

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Die Aktion heißt United Buddy Bears und wirbt für das gegenseitige Kennenlernen.
Und wenn wir irgendwann noch einmal 60 Minuten langsames Internet haben, berichten wir mehr über die ersten zwei Tage in Havanna.

Landung in Kuba

Am 27. oder 28. Oktober 1492 entdeckte Christoph Kolumbus Kuba auf seiner ersten Reise. Mit der Landung in der Bucht von Bariay im Nordosten der Insel nahm er Kuba für Spanien in Besitz. Gut 522 Jahre später landen wir auf auf dem internationalen Flughafen Jose Marti in Havanna.

Die Einreise war so wie wir sie erwartet hatten. Wir mussten durch eine strenge Passkontrolle mit viel Personal. Unsere Fahrräder waren da und beim Verlassen des Sicherheitsbereiches hielt Juan, unser in Deutschland gebuchter Fahrer, ein Schild mit unserem Namen hoch. Zuerst mussten wir Geld tauschen. Juan führte uns zum Wechselschalter. Als Pärchen gemeinsam an den Schalter gehen und Geld über den Tresen schieben, unmöglich. Nur einer durfte vortreten und der Pass musste als erstes vorgelegt werden. Hier merkten wir schon, dass wir in eine andere Welt eintauchen.

Juan fuhr einen abenteuerlichen Lada. Keine Tür ging normal auf. Ein Fahrrad passte auf den Rücksitz und eines wurde schnell auf dem Dach vergurtet. Dann ging es in 30 Minuten durch hell erleuchtete Straßen zu unserer Casa Particular. Das ist eine cubanische Privatunterkunft. Emely öffnete uns und wir waren glücklich. So sieht das Haus von außen aus.

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Nie und nimmer hätten wir in so einem Haus eine tolle Unterkunft vermutet.

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In Kuba gibt es fast kein Internet, so dass wir voraussichtlich zeitversetzt berichten.

Unterkunft:

Casa de Mary, Marina No 61 apto 44, (4to piso), e/ Hornos y vapor, Centro Habana, Tel: (53) 7 8786366, marybet65@yahoo.es

Fliegen mit Fahrrad (Berlin- Havanna)

Unseren Flug nach Kuba am 31. Januar 2015 haben wir bei AirFrance gebucht. Wir fliegen von Berlin nach Paris und von dort nach Havanna. Für die Hin- und Rückflüge bezahlen wir für uns beide 2.118,18 Euro. Natürlich planen wir unsere Fahrräder mitzunehmen. Leider will uns die AirFrance erst 48 Stunden vor dem Flug verraten, ob das klappt. Hurra, die Air France hat auf telefonische Nachfrage bestätigt, dass sie unsere Fahrräder nach Kuba mitnimmt.

Die letzten Jahre sind wir einfach zum Check-in  geradelt, haben etwas Luft abgelassen, den Lenker quer gestellt, die Pedale nach innen gedreht und ab ging der Flug. Das hat geklappt. Dieses Mal, bei einem Flug über den Atlantik wollen wir nicht riskieren, dass unsere Räder nicht mitgenommen werden. Also haben wir die Beförderungsbedingungen für Sondergepäck gelesen und wollen uns auch daran halten. Die Maximalmaße bei Air France sind (175 cm x 21,5 cm x 86 cm). Wir haben zwei Fahrradtaschen, die mit 115 cm x 21,5 cm x 86 cm diese Maße sogar unterschreiten. Am letzten Wochenende habe ich mein Rad schon einmal Probe gepackt.

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Es war gar nicht einfach das Rad dort rein zu stopfen. Mal sehen, ob wir unsere Räder in Havanna auch komplett wieder aus den Taschen heraus holen. Morgen wird echt gepackt und dann geht es nach Berlin zu unserem Flieger nach Havanna.

Auf dem Flughafen Berlin-Tegel war es recht stressig. Als wir am Check-In dran waren, sagte man uns dass wir zuerst die Räder bei einem gesonderten Schalter abgeben müssten. Dazu ging es mit dem Fahrstuhl eine Ebene tiefer. Der Zeitdruck war nicht ohne. Als das erledigt war, durften wir für jedes Rad für die eine Strecke nach Havanna 100 Euro zahlen. Es war also auch nicht wirklich günstig, aber was tut man nicht alles für das eigene Rad.

Ob unsere Räder heile in Havanna ankamen und wie wir die ersten Tage in Havanna verbrachten könnt ihr in den nächsten Beiträgen lesen.

Bitte bleibt neugierig.

schlechte Menschen – Diebe

Wir sind von vielen lieben und guten Menschen umgeben. Da verliert man gelegentlich aus dem Blick, dass es auch schlechte Menschen gibt. Gestern, am Samstagvormittag, wollte so ein schlechter Mensch mitten im Stadtzentrum Susannes Fahrrad stehlen. Sie hatte ihr Rad ordentlich mit einem ABUS-Schloss gesichert. Der schlechte Mensch hatte sich schon durch das Metall gearbeitet, als er vermutlich gestört wurde. Jedenfalls hat nicht mehr viel gefehlt und er hätte das Schloss komplett zerstört. Da haben wir noch einmal Glück gehabt. Schaut mal:

schloss

Ist euch so etwas auch schon einmal passiert?

Passt schön auf.