Mein erster öffentlicher Vortrag

Das Familienhaus in Magdeburg und der ADFC organisieren im Herbst/Winter eine Reihe von Reisevorträgen.

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Ein Freund sprach mich darauf an und so kam es, dass wir letzten Donnerstag ca. 50 Vortragsbesucher auf unsere Reise zum Nordkap mitnehmen durften.

Für uns war es eine echt tolle Sache, unsere Tour von vor zwei Jahren gedanklich noch einmal zu radeln :-). Vielleicht war das nicht der letzte Vortrag. Habt ihr schonmal solch einen Vortrag gehalten?

Bitte bleibt neugierig :-).

Fragen führen zu „Win-Win-Situationen“

Heute geht es um eine Win-Win-Situation. Diese Woche erreichte uns per Mail eine Frage zu unserer NordTour. Bernd fragte uns:

War es schwierig, das Fahrrad auf dem Flughafen in Alta Richtung Berlin aufzugeben ?
Hättet Ihr vielleicht ein paar Tipps was dabei zu bezüglich Verpackung zu beachten ist ?

Erst einmal freuen wir uns über diese Frage. Zeigt sie doch, dass es da draußen tatsächlich Menschen gibt, die unseren Blog lesen. Diese Freude ist auf jeden Fall eine Win-Situation.

Die Antwort auf die Fragen war einfach:

Nein, es war gar nicht schwierig. Wir mussten nur den Lenker quer stellen und Luft ablassen. Verpacken mussten wir die Räder auf dem Flughafen von Alta gar nicht.

Wenn die Antworten Bernd bei der Planung helfen, haben wir die nächste Win-Situation.

Dann gibt es noch eigene Erinnerungen und Emotionen, die uns während der Antwort wieder in das Bewusstsein kommen: Wir sitzen auf einer Bank im Hafen von Honningsvåg. Das Städtchen Honningsvåg liegt auf der Insel Magerøya nur 40 Kilometer vom Nordkapp entfern. Die Nordlys der Hurtigrouten schiebt sich majestätisch in den Hafen.

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Nordlys bedeutet Nordlicht. Susanne und ich spüren dieses Licht des Nordens.

Wir sind ganz weit oben in Norwegen, ganz weit oben in Europa und ganz weit weg von unserem Alltag. Gleich erleben wir, wie sich der Touristenstrom aus dem Kreuzfahrtschiff in den 3.000 Seelenort ergießt. Als erstes geht Personal der Reederei von Bord. In den schmucken Uniformen und mit Schildern auf denen Nordkap steht, lenken sie am Kai den Strom der Kreuzfahrtouristen zu den Bussen.

Wir sind nicht mit dem Kreuzfahrtschiff, Flugzeug oder Auto gekommen. Eine unglaubliche Kette von perfekten und unvergesslichen Momenten liegt hinter uns. Wie viele dieser Momente werden es wohl gewesen sein? Wir wissen es nicht. Wie sind wir nur hier her gekommen? Was hatten wir nicht für unglaubliche Erlebnisse?

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Hinter uns stehen unsere zwei treuen Fahrräder, die uns von Deutschland bis an das Nordkap gebracht haben!

Allein diese Erinnerungen stellen eine weitere Win-Situation dar. So bleibt mir festzustellen, dass die zwei Fragen von Bernd mindestens zu einer Win-Win-Win-Situation gefürt haben.

Und was ist, wenn ihr am Lesen dieses Beitrages auch noch Spaß habt? Dann wäre es ja eine Win-Win-Win-… , Ach, lassen wir das. Was ich sagen möchte, wer Fragen hat, der stelle sie, denn nur so geht es voran.

Bitte bleibt neugierig.

NordTour 2014 – Tag 21 – Ankunft am Nordkap

Das Nordkapp ist nicht der nördlichste Punkt Europas, auch nicht der nördlichste Punkt auf dem europäischen Festland. Es ist noch nicht einmal der nördlichste Punkt auf dieser Insel. Egal.

Das Nordkapp ist seit dem Anschluss an das Straßennetz über die Europastraße 69 im Jahr 1956 der nördlichste Punkt Europas, der auf Straßen vom europäischen Festland erreicht werden kann und genau das haben wir getan :-).

Auch diese letzten 32 km hatten es in sich. Bei 9°Celsius, Regen und Gegenwind hatte auch diese Etappe ihren eigenen Charakter. Wir wurden richtig nass!

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Während die motorisierten Zeitgenossen einen Obolus für das Nordkapp entrichteten, winkte man uns durch. So haben wir das gern. Nach den obligatorischen Fotos setzten wir uns in das Cafe, wärmten uns auf und schrieben „Wirwarenhierkarten“.

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Immer wieder ging ich mit einem Kleidungsstück von mir oder Susanne in die Toilette und hielt es in die Heißlufttrockner, um es wenigstens ein wenig zu trockenen. Ihr könnt euch vielleicht die Blicke der Kreuzfahrtouristen vorstellen.
Was für ein klasse Moment im Leben.

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Als wir am 3. Juli unsere Idee öffentlich machten, für jeden geradelten Kilometer zu spenden, hatten wir weder gedacht, dass wir tatsächlich 2.537 Kilometer schaffen, noch dass 82 Menschen unsere Idee mit Centbeträgen je Kilometer unterstützen werden. Beides ist unglaublich. Wir werden in den nächsten Tagen allen Spendern die nötigen Infos zukommen lassen.

Ich habe Vieles in diesem Blog berichtet. Es gab aber noch viel mehr. Da sind die naturgemäß immer wieder flüchtigen Begegnungen mit den Menschen. So hörten wir in der Abendsonne von Lappeasuando die Geschichte der zwei jungen Männer aus Siegen, die eine Woche mit dem Kanu auf menschenleeren, traumhaften Flüssen unterwegs waren und das  „low budget“. Ich berichtete vom Vansbrosimningen, hätte aber auch von dem Pastor mit moderner Kommunikationstechnik schreiben können, der sich unmittelbar vor einer Beerdigung die Zeit für eine Unterhaltung mit uns nahm.

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Seine guten Wünsche haben uns begleitet. Wir machten auf einer so langen Tour natürlich in jeder Beziehung sehr intensive Erfahrungen, die ich nur schwer beschreiben kann und es dann auch lasse.

Zwei Fragen gilt es noch zu klären. Ja, wir haben Rentiere ohne Ende gesehen. Bei einem war ich mir nicht sicher, ob es mich gleich umrennen wollte.

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Elche? Wir haben uns wirklich Mühe gegeben. Susanne hat am Ende doch noch einen gesehen. Es muss noch ein ganz junger gewesen sein ;-).

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Wie sagt der Norweger: Slutt. Doch halt, einen Epilog 😉 gibt es noch.

Statistik:
Tageskilometer: 32
Gesamtkilometer: 2.537
Kilometer bis zum Nordkapp: 0 🙂
Tageshöhenmeter: 716
Gesamthöhenmeter: 18.607
Standort N 71°10.253 E 025° 47.007
Spendenstand 153 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

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NordTour 2014 – Tag 19 – Weltkriegsspuren und Moltebeeren

Wir fragten die norwegische Kellnerin, was an Alta wissenswert sei und was wir uns anschauen sollten. Da kam sofort Geschichte.

Im Alta Fjord, direkt hier, lag über etliche Jahre die Tirpitz, das modernste und stärkste Schlachtschiff der Deutschen im 2. Weltkrieg. Sie bedrohte allein durch ihre Existenz die alliierten Geleitzüge nach Murmansk. Dieses Konzept, dem Gegner zu schaden, ohne aktiv zu kämpfen, nennt man „Fleet-in-being-Konzept“. Der Gegner muss immer genügend Kräfte vorhalten, um auf einen eventuellen Angriff reagieren zu können.

Wir verzichteten allerdings auf das Tirpitzmuseum. Die moderne Kirche in Alta erinnert mich in diesem Zusammenhang auch gleich an ein U-Boot.

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Die Sonne geht zwar unter, aber dunkel wird es nicht.

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Das Bild habe ich gegen Mitternacht aus dem Hotelfenster aufgenommen.

Die letzten Etappen liegen vor uns. Über weite Strecken gab es gar keine Bäume mehr. Da fielen uns Sammler in der Gras- und Buschlandschaft auf. Was sammeln die nur? Irgendwann fragten wir. Sie sammeln Moltebeeren. Wir durften gleich kosten. Mmmhh, lecker.

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Die Moltebeere ist ein Rosengewächs und ist in unseren Breiten sehr selten.
Übrigens ist die Moltebeere auf der finnischen 2-Euro-Münze abgebildet. Sie ist ein Wahrzeichen Lapplands.

Wir sitzen in der Sonne in Olderfjord, bzw. Russenes am Porsangerfjord.

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Morgen werden wir den absoluten Tiefpunkt unserer Tour erleben. Wie wir den überstehen, werde ich morgen berichten.

Statistik:
Tageskilometer: 112
Gesamtkilometer: 2.408
Kilometer bis zum Nordkapp ca: 130
Tageshöhenmeter: 1.002
Gesamthöhenmeter: 16.845
Standort N 70°28.675 E 025° 03.963
Spendenstand 141 Cent je Kilometer (neue Spender: Liane und Thorsten Brucke je 2 Cent- Danke)
Infos zur Idee unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

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nächster Tag – weiter nach Norden

NordTour 2014 – Tag 8 – Plötzlich sind sie ganz nah, die Kriege der Welt

An diesem Sonntag standen wir früh auf. Wir duschten. Wer hätte gestern im Zelt am See gedacht, dass wir heute früh zu einer heißen Dusche kommen würden. Hassan hatte auf seiner Matratze im Flur direkt vor unserer Zimmertür geschlafen. Er wurde wach und sprang sofort auf. Er wollte uns unbedingt ein Frühstück organisieren. Wir lehnten ab. Wir erklärten ihm, dass wir nun genug Gastfreundschaft erfahren haben und dass wir nun weiter radeln wollten. Wir versuchten, ihm ein paar Kronen zu geben. Hätten wir gestern eine Pension mit einem freien Zimmer gefunden, so hätten wir dort ja auch bezahlt. Keine Chance. Hassan verweigerte die Annahme von Geld. Schließlich wussten wir uns nur so zu helfen, dass wir ein paar Geldscheine auf den Tisch legten und Hassan sagten, dass dieses Geld ausschließlich für die zwei kleinen syrischen Kinder wäre. Das ließ er unkommentiert zu.

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Dann verabschiedeten wir uns von Hassan und fragten ihn, ob wir ein Foto von ihm machen könnten. Er nickte und verschwand im Haus. Er war doch etwas eitel. Wir mussten mehrere Minuten warten, bevor er gewaschen und mit neuem Shirt wieder heraus kam. Wir schmunzelten, bedankten uns herzlich bei ihm und wünschten ihm alles Gute auf seinem weiteren Lebensweg.

Auf einer so langen Radtour hängt man auch viel seinen eigenen Gedanken nach. Hier hatten wir wieder neuen Stoff.

Die Schweden schreiben gelegentlich recht wenige Informationen auf ihre Schilder. Das macht auch Sinn, denn es gibt oft nicht mehr zu berichten. Die nächste Stadt ist nun mal so weit weg.

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Da der Wind es gut mit uns meinte, rollte es ganz passabel. So haben wir unser Tagesziel Östersund erreicht.

Ach ja, auf der heutigen Etappe schafften wir bei N 62 35.967 E 014 25.116 die 1.000 km- Marke.

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Mal schauen, wie es weiter geht.

Statistik:
Tageskilometer: 156
Gesamtkilometer: 1.081
Höhenmeter: 1.028
Gesamthöhenmeter: 7.740
Standort N 63° 09.551 E 014° 40.319
Spendenstand 132 Cent je Kilometer (neue Spender: Angela und Stephan Franke 6 Cent – Danke)
Infos unter: http://www.jedes-jahr-ein-treffer.de

nächster Tag – weiter nach Norden

unsere Nordtour – noch 3 Tage

Wenn wir mit dem Rad auf unserer Nordtour unterwegs sind, können wir unsere Webseite nicht mehr aktualisieren. Deshalb rufen wir diesen Blog unter www.traumradeln.de ins Leben. Hier könnt ihr sehen, wie es uns auf unserer Tour immer in Richtung Norden geht (sofern wir Strom und Internet haben :-)). Natürlich könnt ihr den Blog auch über www.jedes-jahr-ein-treffer.de erreichen.

Übrigens steht das Spendenbarometer bei 80 Cent. DANKE!

Los geht’s, ab zum Kap :-).