Die Mecklenburger Seen Runde – 300.000 Meter zum Ziel

3:35 Uhr, Unser Wecker würde zwar erst in ein paar Minuten klingeln, doch Susanne und ich ziehen uns schon mal an. Es ist ja Samstag und da muss man ja nicht so lange im Bett rumliegen. Wir sind in Neubrandenburg, in Mecklenburg und stehen halt früher auf. Schlaf haben wir nicht viel gehabt. Wir sind aufgeregt.

Im Oktober letzten Jahres müssen wir auch unter Schlafmangel gelitten haben. Wir haben uns bei der MSR, der Mecklenburger Seen Runde angemeldet. Das ist eine Art Radrennen um die Mecklenburger Seen. Allerdings starten nicht alle Teilnehmer zur selben Zeit sondern zwischen Freitag 21:00 Uhr und Samstag 8:00 Uhr. Warum so ein großes Startfenster? Die MSR ist halt etwas länger. Sie führt über 300 (!) km. Das Vorbild der MSR ist die Vättternrundan. Wie wir auf die Idee einer Teilnahme gekommen sind, weiß ich gar nicht mehr genau. Vielleicht hat das mit unserem Besuch am Vätternsee im letzten Jahr zu tun.

4:00 Uhr, Das Hotel hat Kekse, Riegel und heiße Getränke zum Frühstück bereit gestellt. Vermutlich frühstücken sonst nicht so viele Leute um diese Zeit. Susanne trinkt und isst etwas, während ich ein Fahrrad aus dem Auto hole. Nur ein Fahrrad für Zwei?

Vor knapp 6 Wochen wollten sich mein Knie und mein Chirurg ganz intensiv kennenlernen. Leider bedeutete das für mich, dass ich von der MSR nur noch träumen durfte. Allerdings war das auch für Susanne nicht lustig. Wir sind immer zusammen gefahren. Wenn dann ein Partner plötzlich als Radfahrer komplett ausfällt, so hat das für den Verbliebenen Auswirkungen auf die Motivation. Ganz nebenbei hat sie auch ihre Schmerzpunkte. Es war jedenfalls gar nicht leicht.

4:10 Uhr Susanne fährt den Kilometer zum Start. Didi Senft, der Teufel begrüßt uns.

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4:45 Uhr, Alle 10 Minuten geht eine Gruppe von ca. 50 Radlern auf die Strecke. Die Startgruppe von Susanne geht jetzt auf die Runde.

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Lieber Schatz, ich wünsche dir viel Kraft und alles Gute!!!!

5:16 Uhr, Es beginnt kräftig zu regnen, ohne wäre ja auch zu einfach.

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6:12 Uhr, Ich bin nach dem Start noch einmal ins Hotel gegangen und schreibe diese Zeilen. Wenn ich diesen Beitrag fertig habe, gehe ich frühstücken und dann werde ich mich ins Auto setzen und zu einer der 7 Verpflegungsstationen fahren und gucken, ob meine durchweichte Frau noch Radfahren kann und mag. Ich wünsche euch allen einen schönen guten Morgen.

Wie es weiter geht, lest ihr im nächsten Blogbeitrag.

Ein Traum an einem Regentag

Es ist Sonntag und es regnet. Es ist ziemlich kühl. Das Knie tut weh. An so einem Tag ist nicht gut Radeln. Übrigens ist mir aufgefallen, dass ich kaum Bilder von schlechtem Wetter habe. Auf einem sieht man doch ein paar Regentropfen.

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Wie oft fotografiert ihr schlechtes Wetter?

Es gibt natürlich auch Lichtblicke.

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Was bleibt ist zu träumen. Schließlich heißt der Blog ja Traumradeln. Man kann ja vom Sommer und von tollen Radtouren träumen. Ein Traum wäre eine Radtour einmal quer durch Großbritannien, vom äußersten Südwesten in Land’s End bis zum nordöstlichsten Punkt Schottlands, nach John O’Groats, sozusagen END TO END.

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Von was für Radtouren träumt ihr?

Fliegen mit Fahrrad (Berlin- Havanna)

Unseren Flug nach Kuba am 31. Januar 2015 haben wir bei AirFrance gebucht. Wir fliegen von Berlin nach Paris und von dort nach Havanna. Für die Hin- und Rückflüge bezahlen wir für uns beide 2.118,18 Euro. Natürlich planen wir unsere Fahrräder mitzunehmen. Leider will uns die AirFrance erst 48 Stunden vor dem Flug verraten, ob das klappt. Hurra, die Air France hat auf telefonische Nachfrage bestätigt, dass sie unsere Fahrräder nach Kuba mitnimmt.

Die letzten Jahre sind wir einfach zum Check-in  geradelt, haben etwas Luft abgelassen, den Lenker quer gestellt, die Pedale nach innen gedreht und ab ging der Flug. Das hat geklappt. Dieses Mal, bei einem Flug über den Atlantik wollen wir nicht riskieren, dass unsere Räder nicht mitgenommen werden. Also haben wir die Beförderungsbedingungen für Sondergepäck gelesen und wollen uns auch daran halten. Die Maximalmaße bei Air France sind (175 cm x 21,5 cm x 86 cm). Wir haben zwei Fahrradtaschen, die mit 115 cm x 21,5 cm x 86 cm diese Maße sogar unterschreiten. Am letzten Wochenende habe ich mein Rad schon einmal Probe gepackt.

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Es war gar nicht einfach das Rad dort rein zu stopfen. Mal sehen, ob wir unsere Räder in Havanna auch komplett wieder aus den Taschen heraus holen. Morgen wird echt gepackt und dann geht es nach Berlin zu unserem Flieger nach Havanna.

Auf dem Flughafen Berlin-Tegel war es recht stressig. Als wir am Check-In dran waren, sagte man uns dass wir zuerst die Räder bei einem gesonderten Schalter abgeben müssten. Dazu ging es mit dem Fahrstuhl eine Ebene tiefer. Der Zeitdruck war nicht ohne. Als das erledigt war, durften wir für jedes Rad für die eine Strecke nach Havanna 100 Euro zahlen. Es war also auch nicht wirklich günstig, aber was tut man nicht alles für das eigene Rad.

Ob unsere Räder heile in Havanna ankamen und wie wir die ersten Tage in Havanna verbrachten könnt ihr in den nächsten Beiträgen lesen.

Bitte bleibt neugierig.

NordTour 2014 – Tag 20 – Königskrabben und der Tourtiefpunkt

Wir fuhren 99 km durch die norwegische Fjordlandschaft. Der herben Schönheit entsprechend regnete es immer wieder.

Einheimische oder auch Touristen bauen überall kleine Steintürmchen. Vermutlich dienen sie schon seit frühester Urzeit als Stative für Fotoapparate. Ich hätte das Stativ nicht nur benutzen, sondern auch fotografieren sollen :-).

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Am Wegesrand entluden Fischer ihren Fang. Ich war neugierig und bekam Königskrabben zu Gesicht.

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Der Panzer von diesen Tieren hatten einen Durchmesser von ca. 20 cm und die Beinspannweite war mehr als ein Meter. Gigantisch. Das kommt auf dem Bild nicht zu Geltung. Ich hätte mein NordTour – Maßband daneben legen sollen. Es war nur leider schon zu kurz.

Tante Wiki sagt: „Die Königskrabbe erreicht eine Größe von 25 cm, während sie insgesamt ein Gewicht von 10 Kilogramm erreichen kann. Die Beinspannweite kann bis zu 180 cm betragen.“

Der Fischer fragte mich noch, ob ich nicht mal in das Becken fassen wolle.  Ich lehnte dankend ab.

Das Nordkapp liegt auf der Insel Magerøya. Diese Insel ist seit 1999 durch einen Unterwassertunnel an das Straßennetz des europäischen Festlandes angeschlossen.

Der Unterwassertunnel ist 6.875 Meter lang und liegt an der tiefsten Stelle 212 Meter unter dem Meeresspiegel.  Das sollte also der Tiefpunkt unserer NordTour werden. Nach rauschender Abfahrt posierte Susanne für dieses Foto.

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Es war so kalt im Tunnel,  dass es zum Teil sogar Eis auf der Straße gab. Zum Glück mussten wir die 212 Meter auch wieder hoch. Die größte Steigung beträgt 9%. Da wurde uns dann ganz schnell wieder warm.

Wir durchfuhren noch vier weitere Gebirgstunnel, ehe wir im Nordkapp Vandrerhjem von Honningsvåg Quartier nahmen.

Morgen soll es das Finale unserer NordTour 2014 geben.

Statistik:
Tageskilometer: 97
Gesamtkilometer: 2.505
Kilometer bis zum Nordkapp ca: 32
Tageshöhenmeter: 1.046
Gesamthöhenmeter: 17.891
Standort N 70°59.838 E 025° 57.640
Spendenstand 153 Cent je Kilometer (neue Spender: Hans-Dieter Brucke 2 Cent, Carola und Wilfried Schulze 10 Cent – Danke)
Infos zur Idee unter: www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

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nächster Tag – weiter nach Norden!

NordTour 2014 – Tag 15 – Orientierungslos und der Gute Hirte

Nach ca. 20 Kilometern sahen wir einen Wegweiser nach Pajala. Wir freuten uns darüber, da wir vor einigen Jahren einen Bericht über deutsche Auswanderer nach Pajala gesehen hatten. Direkt bei dem Schild begann eine 7 Kilometer lange Baustelle. Diesmal war der Splitt richtig gemein und wir mussten uns sehr konzentrieren.

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Zwei Dinge waren auffällig. Es wurde heute am Sonntag intensiv gearbeitet. Alle Maschinen waren in Bewegung. Außerdem taten auch Frauen diesen harten Job.

Nach gut 6 Kilometern war es dann soweit. Susanne hatte einen Platten. Ich wechselte den Schlauch und Susanne schob den letzten Kilometer, aus Sorge, gleich wieder platt zu fahren.

Als wir dann wieder entspannt radelten und uns orientierten kam es ungefähr zu folgendem Dialog:
„Du, wir sind falsch.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooh.“
„Du, wir müssen die ganzen 7 Kilometer durch die Baustelle zurück fahren.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooh.“
Wir haben gegen Tourregel 5 verstoßen. Sie besagt: Fahre keine unnötigen Strecken. Da hilft nichts. Wir haben den Schweiß abgetupft, den Staub aus dem Trikot geklopft und die Räder um 180° gedreht, um den schwedischen Bauarbeitern noch einmal für 7 Kilometer bei ihrem Tagwerk zuzusehen. Ein bisschen tat es schon weh. Das mit dem bisschen war gelogen. Immerhin hatten wir bei der zweiten Durchfahrt keinen Platten.

Energie scheint in Schweden kein Problem zu sein. Lange Lichtertrassen an einsamen Landstraßen sind ein Zeichen dafür. Die Energie kommt von großen Wasserkraftwerken, die Herr Vattenfall gebaut hat. Eines war am Lilla Lule Älv. Ein schöner Name.

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Heute schlafen wir in einer christlichen Gemeinde, die auch Zimmer vermietet.

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Nicht, dass wir uns dies gezielt ausgesucht hätten. Es war einfach nur der einzige Ort auf einer Strecke von 52 Kilometern nach Vittangi. Wir wurden freundlich angesprochen und als Maria, eine ältere Schwedin von unserer Tour und auch der Spendenaktion hörte, fragte sie, ob sie für uns beten dürfe. Natürlich. Sie nahm unsere Hände und tat es sehr eindrucksvoll.

Morgen wollen wir Schweden in Richtung Finnland verlassen. Es ist unglaublich, wie weit wir schon gekommen sind. So langsam trauen wir uns, an das Nordkapp zu denken. Es sind noch ca. 574 km zu fahren.

Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 111
Gesamtkilometer: 1.963
Kilometer bis zum Nordkapp: 574
Tageshöhenmeter: 481
Gesamthöhenmeter: 14.134
Standort N 68° 05.487 E 021° 41.738
Spendenstand 135 Cent je Kilometer (neue Spender: Stefan Gietl 1 Cent, Danke)
Infos zur Idee unter: https://www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

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nächster Tag – weiter nach Norden!

NordTour 2014 – Tag 14 – Von Motivation und Innlandsbahnen

Vor vielen Jahren gewann Boris Becker als erster Deutscher Wimbledon. Im Interview gab er immer an, dass alles im Kopf entschieden wird. Damals habe ich das nicht verstanden.

Auch unsere Tour ist Kopfsache. Die Motivation ist entscheidend. Die ersten Tage hatten wir als Ziel, die ersten 100, 500 und dann 1000 km zu schaffen. Man kann aber auch auf den Tacho schauen und irgendwann entdeckt man bei 1492 Amerika. Gestern haben wir den 30 Jährigen Krieg überstanden. Heute gab es die Französische Revolution und sogar noch die Völkerschlacht. Sicher ist diese Art der Tachomotivation limitiert, aber wir freuen uns durchaus, wenn wir 1945 die zwei Weltkriege hinter uns gelassen haben oder auf den Tachostand der Wiedervereinigung.

Ja, ich gebe zu, über die Strecke haben wir dieses Konzept auch noch nicht wirklich nutzen können, schließlich ist dies hier unsere längste Tour. Allerdings kann man die geschichtlichen Daten auch bei Höhenmetern in den Alpen anwenden. Man fährt einen Pass mit 2000 Metern und da funktioniert das auch.

Ansonsten sind die Landschaften unsere Motivation.

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Die schwedischen Straßen sind perfekt, glatt und ohne Schlaglöcher und das meine ich auch für die Ränder. Damit es so bleibt, muss man auch mal sanieren. Heute hatten wir die erste wirkliche Baustelle. Die Schweden räumen dazu die alte Straße komplett ab. Wir fuhren dann heute 7 km über eine Schotterpiste.

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Unsere Rennradbereifung hat die Baustelle aber gut überstanden. Susanne fährt übrigens 23 mm und ich 25 mm Reifen.

In Gällivare verließ uns die Inlandsbahn.
Über 746 km, ab Östersund lief sie fast immer parallel zu unserer Straße. Auf dieser Strecke verkehrt täglich genau ein Zug in jede Richtung und er benötigt 14 Stunden. Die Bahn wird überwiegend von Touristen genutzt.

An einigen wenigen Bahnhöfen der Strecke gibt es noch Formsignale.

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Formsignale sind mechanische Eisenbahnsignale, bei denen der Signalbegriff durch bewegliche Elemente dargestellt wird. Formsignale werden seit der Anfangszeit der Eisenbahn nach dem Vorbild der optischen Telegrafie verwendet. Bei uns sind sie in der Regel durch Lichtsignale verdrängt worden.

Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 153
Gesamtkilometer: 1.852
Höhenmeter: 1.152
Gesamthöhenmeter: 13.653
Standort N 67° 29.421 E 021° 07.133
Spendenstand 134 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: https://www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

nächster Tag – weiter nach Norden!

NordTour 2014 – Tag 13 – Brauchtumsbaum und Polarkreis

Die südlichste geografische Breite, auf der am längsten Tag des Jahres die Sonne gerade nicht mehr unter geht,  nennt man nördlicher Polarkreis.

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Wir haben den Polarkreis bei 66° 33.733 kurz vor Jokkmokk erreicht.

Die Erdachse steht im Verhältnis zur Sonne in einer Neigung von 23° 26.277. Ich gebe nach den Grad Dezimalminuten an. In dieser Schreibweise ist auch unsere aktuelle Position im Statistikteil unten angegeben. Wenn ihr die 66° 33.733 und 23° 26.277 addiert, erhaltet ihr 90 Grad. Cool.

Da sich im Sommer der Nordteil unseres Planeten gen Sonne neigt, gibt es also einen Bereich, in dem die Sonne nie unter geht.

Zur Weihnachtszeit sieht man so weit im Norden folgerichtig gar keine Sonne. Diese dunkle Zeit, ist die Zeit der Weihnachtsbäume. Vermutlich freuen sich die Schweden schon so sehr auf diese Zeit, dass einige von ihnen schon jetzt beginnen, Brauchtumsbäume zu schmücken.

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Ich nenne dieses Exemplar Männerweihnachtsbaum ;-).

Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 111
Gesamtkilometer: 1.699
Höhenmeter: 1.006
Gesamthöhenmeter: 12.501
Standort N 66° 36.398 E 019° 49.986
Spendenstand 134 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: https://www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

NordTour 2014 – Tag 12 – Im Land des Wildling

Ist man auf so einer Tour immer gleich gut drauf? Nein. Ich kann mehrere Phasen beschreiben.

Es gibt die Phase 1, das sind die ersten zwei Tage. Ich nenne sie Wochenendmodus. Die Akkus sind voll. Man ist ausgeruht. Da kommt ein Hügel oder der Wind weht steif von vorn. Egal, man tritt etwas fester und alles ist schick. Nichts tut weh.

Dann kommt Phase 2, das sind die Tage 3 bis 7. Nennen wir sie Tourmodus. Die Akkus sind nicht mehr voll und es tut jeden Tag an einer anderen Stelle etwas weh. Nach Phase 1 haben noch nicht alle im Körper begriffen, dass es eben nicht gleich wieder in den Büromodus zurück geht. Bei mir haben diesmal Po und Knie angefangen zu diskutieren. Mit viel Niveacreme war der Eine zu besänftigen. Für das Knie musste schon mal Druck von der Pedale genommen werden. Am Ende der Phase 2 haben sich alle damit abgefunden, dass es kurzfristig kein Zurück in den Kuschelkomfortmudus gibt.

Bei einer so langen Tour ist es dann wichtig den Stoffwechsel so hinzugekommen,  dass man die Reserven nicht aufbraucht. Für uns bedeutet das viel Essen und Trinken.

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Heute trafen wir gleich zum Start ein radelndes holländisches Pärchen. Sie sind mit der Inlandsbahn, einer alten einspurigen Eisenbahnlinie, neben der wir schon seit Östersund herfahren, bis Gällivare gefahren und radeln nun zurück. Das ist auch eine tolle Urlaubsvariante. Sie wollen sich heute den Wildling in Storuman anschauen.

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Er ist wirklich groß und er ist das Wappensymbol von Lappland. Wir fuhren über Arvidsjaur bis Moskosel. Dort hatten wir uns wieder eine Stuga reserviert.

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Mal sehen, was der morgige Tag uns bringt.

Statistik:
Tageskilometer: 129
Gesamtkilometer: 1.588
Höhenmeter: 1.009
Gesamthöhenmeter: 11.495
Standort N 65° 52.991 E 19° 027.687
Spendenstand 134 Cent je Kilometer
Infos zur Idee unter: https://www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

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nächster Tag – weiter nach Norden

NordTour 2014 – Tag 7 – Gewitter und Zelt am See

Wir hatten heute unser erstes heftiges Gewitter. Es gab keine Unterstellmöglichkeit. So hatten wir die Wahl zwischen stehen bleiben und nass werden oder weiterfahren und nass werden. Wir entschieden uns für die Variante zwei. Zum Glück wurde es nach dem Regen wieder richtig warm.

Bilder vom heutigen Tage reiche ich bei Gelegenheit später nach, da die aktuelle Infrastruktur Luft nach oben lässt.

Heute ist eingetreten, worauf wir vorbereitet waren, was wir aber nicht unbedingt wollten.

Wir radelten nach Sveg in der Provinz Jämtland und versuchten vergeblich eine Unterkunft zu buchen. Am Samstag in der schwedischen Urlaubszeit hatten wir hier keine Chance. Also ab in den nächsten Supermarkt und Proviant gebunkert. Wir geben uns noch 20 km. Da werden wir schon was finden. Nööö, da war nichts.

„Susanne, rechts ist ein See. Da könnten wir uns wenigstens waschen.“ Ich bekam nur ein unglückliches: „Waschen wird überbewertet zurück“.

Trotzdem bogen wir ab und siehe da, es gibt ein Saunahäuschen mit Holzveranda. Ein idealer Platz für Plan B. Plan B ist unser Zelt.

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Sicher, die Heringe bekomme ich nicht so gut in den Boden, aber die Holzplanken sind eben und trocken.Susanne hat sich dann doch noch im See gewaschen.

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Ein Tag ist zu Ende, wenn ein Tag zu Ende ist. Ich will sagen, erst jetzt nach 20:00 Uhr wird uns das Aufregendste an diesem Tag passieren. Ich saß auf der Bank und schaute auf den See, da stand plötzlich Hassan auf der Holzveranda. Zu dem Zeitpunkt wusste ich natürlich noch nicht, wer er war. Hassan lud uns ein, bei ihm zu schlafen. Es entspann sich der übliche Dialog:

Hassan: „Ich habe ein Zimmer, da könnt ihr schlafen.“

Ich: „Nein, vielen Dank, es ist für uns kein Problem. Wir wollen im Zelt zu schlafen und es ist schön hier.“

Hassan: „Es regnet bestimmt gleich wieder. Ich habe ein sauberes Zimmer. Das Zimmer ist leer. Ihr könnt das Zimmer wirklich haben.“

So ging es noch eine Weile hin und her.

Irgendwann fragte ich dann Susanne im Zelt. Da sprach mein Zelt: „Dann lass uns doch in einem schönen, sauberen Zimmer schlafen.“ Ok, die Entscheidung war gefallen.

Ein bisschen traurig war ich ja schon. Wenn ein Mann ein Zelt aufgebaut hat, dann ist das ein Nest und so ein selbst gebautes Nest hat schon etwas. So baute ich also das Zelt etwas widerwillig und traurig wieder ab.

Jedenfalls trabten wir ein paar Minuten später Hassan hinterher. Es standen vier Häuser am See und unser Weg führte uns zur Nummer 4A. Ganz ehrlich, wir hatten Bammel. Wo gehen wir hin? Werden wir ausgeraubt? Ist das ein Trick mit dem Zimmer? All diese Gedanken waren 100% unbegründet.

Hassan kommt aus Pakistan. Im Haus wohnten 6 Flüchtlinge. Wir lernten eine syrische Familie (Mama mit Tochter und zwei Söhnen) und einen Palästinenser kennen. Wir waren in einem schwedischen Asylantendurchgangslager. Alle entschuldigten sich, dass sie kein schwedisch sprechen. Das war für uns ok, denn wir sprachen ja auch kein schwedisch.

Hassan zeigte uns das Zimmer. Das Zimmer war im Obergeschoss. In ihm standen zwei Doppelstockbetten. Und dieser ganze Raum sollte wirklich leer sein? Nein, Hassan hatte geschwindelt. Er zog eine Matratze heraus und legte sie im Treppenraum vor dem Zimmer auf den Boden. Jetzt hatten wir das Zimmer für uns allein. Wir wussten nicht, was wir sagen sollten. Alles war perfekt.

Können wir jetzt einfach ins Bett gehen? Nein, das wäre unhöflich. Wir durchsuchten unsere Satteltaschen. Ja, eine Tüte schwedischer Lakritz und Gummibärchen können wir mit in den Gemeinschaftsraum nehmen. Wir gingen unsicher die Treppe herunter. Der Fernseher lief und Hassan und ein Palästinenser schauten fern. Wir setzten uns zu ihnen und hörten ihre Geschichten. Wir verstanden nicht alles, aber vermutlich wären wir auch ohne Sprachbarriere nicht in der Lage, ihre Schicksale zu verstehen. Hassan kommt aus Pakistan und seine Familie ist im Zusammenhang mit dem Kaschmirkonflikt getötet worden. Der junge Palästinenser war aus Gaza-Stadt und ist 17 Jahre. Er wusste nicht, ob seine Angehörigen noch leben. Er zeigte uns auf seinem Handy Fotos die nach Luftangriffen auf Gaza-Stadt aufgenommen wurden. Stellt euch das Schlimmste vor! Denkt dabei an Männer, Frauen und kleine Kinder nach Bombenangriffen. Genau das war auf den Fotos zu sehen. Unglaublich. Wikipedia wird unter dem Suchbegriff „2014“ dazu schreiben:

  • Ab 8. Juli: Israel unternimmt eine Militäroffensive, ab Mitte Juli unter Einschluss einer Bodenoffensive, im Gazastreifen. Bei schweren Bombardierungen und Beschießungen werden bis zum 25. August 2014 mehr als 2100 Palästinenser getötet und mehr als zehntausend verletzt, die meisten davon Zivilisten.

Wir schauten uns also gerade Fotos von einigen dieser 2.100 getöteten Palästinensern an. An einem einsamen See im schwedischen Jämtland war plötzlich die brutale Weltpolitik ganz nah. Auf meinem internen Notizzettel steht: Uns geht es sehr, sehr, sehr gut. Da kam wieder ein dicker Haken hinter.

Die syrische Familie beteiligte sich nicht an der Unterhaltung. Sie hatte währenddessen Essen gekocht. Plötzlich reichte man uns Teller mit warmem Essen und Tee. Natürlich hatten wir gesagt, dass wir schon gegessen hatten, aber das zählte nicht. Es wäre unhöflich dieses Abendessen abzulehnen.

Die Herzlichkeit, die wir erfahren durften, hat uns tief beeindruckt und berührt. Irgendwann gingen wir in das Zimmer, welches nun unseres war. Wir schliefen schlecht.

Statistik:
Tageskilometer: 157
Gesamtkilometer: 925
Höhenmeter: 1.338
Gesamthöhenmeter: 6.712
Standort N 62° 02.386 E 014° 53.235
Spendenstand 126 Cent je Kilometer (neue Spender: Hans-Werner Breunig 4 Cent, Annerose und Lothar Domröse 1 Cent, Andreas Kohlmann 1 Cent)
Infos unter: https://www.jedes-jahr-ein-treffer.de/spendenprojekt2014.htm

nächster Tag – weiter nach Norden

NordTour 2014 – Tag 5 – Von Monitorschiffen und Kanonen

Wir haben wieder Traumwetter.

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Die Schweden sagen, dass es der heißeste Sommer seit 30 Jahren ist. Uns soll es Recht sein.

Schon nach kurzer Wegstrecke kreuzten wir die E18, die Verbindung zwischen Oslo und Stockholm. Nun wurden erwartungsgemäß Verkehr und Besiedelung noch dünner. Für uns bedeutet das schwerere Fahrradtaschen. Da wir ja nicht genau wissen, wann wieder eine Möglichkeit zum Einkaufen kommt, müssen die Vorräte für den Tag ausreichend sein. Denn auch bei uns gilt, ohne Verpflegung keine Bewegung.

Filipstad erreichten wir schnell. Dort sahen wir zwei große Kanonen, die heute wohl nur noch gegen U-Boote gerichtet sind.

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Die zwei Kanonen sollten das erste schwedische Monitorschiff bestücken. Ein Monitorschiff ist ein Kriegsschiff für flache Küstengewässer,  welches bis auf einen komplett drehbaren Geschützturm keine Aufbauten hat. Der Schiffstyp ist nach der USS Monitor benannt. Sie war das erste Panzerschiff der US-Marine und – jetzt schließt sich der Kreis – sie wurde von dem Schweden John Ericsson gebaut. Dieser Herr Ericsson hat den Schweden dann auch diese Kanonen geschenkt.

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Irgendwann überschritten wir den 60. Breitengrad. Wir waren noch nie im Leben so weit im Norden.

Bisher war unser nördlichsten Punkt Sankt Petersburg, die nördlichste Metropole der Welt. Sankt Petersburg liegt auf dem 59. Breitengrad sogar nördlicher als Stockholm.

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Jetzt geht gerade ein ordentlicher Gewitterregen herunter. Wir sitzen behütet in einem B&B.

Statistik:
Tageskilometer: 119
Gesamtkilometer: 647
Höhenmeter: 1.057
Gesamthöhenmeter: 4.569
Standort N 60° 14.930 E 014° 10.668
Spendenstand 120 Cent je Kilometer (neu: Christian Keßner, 1 Cent, Danke)

Nächster Tag – weiter nach Norden!