Über sieben Brücken musst du geh’n – der Shimanami Kaido

Was haben wir uns noch für unsere Japanreise gewünscht?

6. Wir fahren auf einer der schönsten Radrouten der Welt – dem Shimanami Kaido (しまなみ海道)

Dieser Weg verbindet die Inseln Honshu und Shikoku über insgesamt sieben Brücken miteinander. Sechs Inseln liegen dazwischen.

Der Weg beginnt in Onomichi, ist 75 km lang und durchgehend mit einer am linken Straßenrand entlang führenden blauen Linie versehen, auf der nach jedem Kilometer angegeben wird, wie weit es noch bis zum Ziel in Imabari ist.

Als wir in Onomichi ankommen, fahren wir mit der Fähre zur ersten Insel Mukaishima und damit auch zum Startpunkt des Radweges. Damit wurden wir an der Onomichi-Brücke vorbei geleitet und so waren es nur sechs Brücken.

Nach einigen Kilometern konnten wir dann die erste für uns zu überquerende Brücke sehen, die Innoshima-Brücke. Diese Brücke wurde 1983 als erste Hängebrücke der Honshu-Shikoku Brücken fertiggestellt. Die mittlere Spannweite der Brücke war mit 770 m zu dieser Zeit die längste in Japan.

Als Radfahrer fährt man auf einer etwa 1 km langen Strecke mit 3%-iger Steigung gemächlich nach oben auf die Brücke. Das Besondere hier ist, dass man eine Ebene unter der Fahrspur für die motorisierten Fahrzeuge nutzt, die man sich nur mit den Fußgängern teilen muss. Natürlich trällerten wir hier ganz ungestört den Refrain von „Über sieben Brücken musst du geh’n“.

Nach einer genauso gemächlichen Abfahrt erreicht man Innoshima als zweite Insel. Der Weg führt am Meer entlang, man radelt durch kleine Ortschaften und selten wird man von einem Auto überholt. Es ist ein Genuss, hier Rad zu fahren und es dauert nicht lange, bis die nächste Brücke erreicht ist.

Die Ikuchi-Brücke wurde 1991 fertiggestellt. Diese Brücke war nach ihrer Fertigstellung die längste Schrägseilbrücke der Welt. Auf- und Abfahrt verlaufen ähnlich wie bei der ersten Brücke, nur dass man bei dieser und den nächsten Brücken neben den motorisierten Fahrzeugen auf einer eigenen Spur entlang geleitet wird. Jede der folgenden Brücken war zur Zeit ihrer Fertigstellung eine architektonische Meisterleistung und es macht Spaß, darüber zu fahren und die Aussicht zu genießen.

Als Radfahrer darf man – im Unterschied zu den Autos – natürlich jederzeit anhalten und die Eindrücke festhalten.

Am Ende des Tages haben wir mit einem Schlag sieben neue Inseln „erfahren“. Damit sind es jetzt insgesamt neun und wir nähern uns der Gesamtzahl der japanischen Inseln in großen Schritten. Ach ja, es fehlen nur noch 6843. Und obwohl der Radweg oft am Meer entlang verläuft, sind es etwa 1000 Höhenmeter, die man auf dem Weg nach Imabari „erklettert“.

Es gibt den Shimanami Kaido auch als Jedermann-Radsportveranstaltung. Dabei kann zwischen den Streckenlängen 70 km und 100 km gewählt werden. Hierbei benutzt man allerdings die Fahrspuren auf den Brücken. Das gemütliche Rad“rennen“, bei dem von den Teilnehmern auch viel fotografiert wird, ist bestens organisiert, denn seit Tokio Ausrichter für die Olympischen Sommerspiele 2020 wurde, erhielt das Radfahren in Japan neue Popularität.

Nach dem Duschen haben wir uns noch Imabaricastle angesehen. Nach dem Dunkelwerden übte hier eine Trommlergruppe und wir waren alleinige Besucher des Konzertes.

Mal sehen, ob wir noch mehr Inseln erradeln. Außerdem wartet auch noch die alte Kaiserstadt Kyoto auf uns.

Bitte bleibt neugierig.

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Pay the Ferryman

14:20 Uhr fährt die Fähre von Taketazu nach Tokuyama. Die nächste Fähre wäre erst 19:00 Uhr gegangen. Ihr könnt euch vorstellen, wie froh wir waren, als wir nach vielem hoch und ab auf der Küstenstraße kurz nach 14 Uhr das Fährterminal erblickten.

Schnell kauften wir die Tickets und zwei schöne gekühlte Flaschen japanischer Cola. Das haben wir uns verdient. Der erste Schluck, upps, das ist ja schwarzer Tee. Egal, er ist kalt.

Wir durften mit unseren Rädern als erste an Bord. Was wir so noch nicht erlebt hatten, war der Service. Gleich zwei Fährleute kümmerten sich um unsere Mobile.

Sie brachten die Bremsklötze in Position und vertäuten die wertvolle Fracht. Erst beim Verlassen der Fähre bemerkten wir, dass sie mit Lappen auch dafür gesorgt hatten, dass nichts zerkratzt.

Wie toll ist das denn? Dürfen wir so einen Service bitte auch in Deutschland haben?

Oben an Deck gab es gleich die nächste Überraschung. Die Hälfte der Fläche war eben. Kopfkissen lagen bereit. Die Japaner zogen sich die Schuhe aus und legten sich zum Schlafe nieder.

Dadurch, dass wir die frühe Fähre bekommen hatten, konnten wir uns ganz entspannt ein Hotel suchen, duschen und dann in den „Touristenmodus“ schalten.

Oh, schau mal ein Shinto-Schrein!

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Um genau zu sein, das ist der Torii vor dem Schrein. Torii bedeutet soviel wie Tor. Japanisch kann so einfach sein :-).

Bitte bleibt neugierig.

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