Alles blüht – russische Worte 70 Jahre nach Kriegsende in Magdeburg

Es ist Mai und die Blüten explodieren geradezu. Die Menschen erfreuen sich daran. Es ist einfach nur toll.

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Vor exakt 70 Jahren hatten unsere Großeltern ganz sicher andere Sorgen. Die Nazidiktatur brach zusammen und unsere Großeltern wussten nicht, was ihnen nun widerfahren würde.  Über dieses Thema wird aktuell in den Medien berichtet. Ich komme aber vor allem darauf, weil wir vor kaum zwei Wochen in unserem schönen Magdeburg einen kyrillischen Schriftzug an einem Gebäude entdeckten. Das kommt nicht mehr so oft vor, nachdem der letzte russische Soldat 1994 deutschen Boden verlassen hat

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Am 18. April 1945 besetzten amerikanische Truppen den größeren, westelbischen Teil Magdeburgs. Im Osten der Stadt wurde bis zum 8. Mai Widerstand geleistet. Dann übernahm dort die sowjetische Armee das Kommando. Gemäß der Festlegungen und Einigungen aller alliierten Mächte, rückten am 1. Juli 1945 Einheiten der 3. Stoßarmee der roten Armee in Magdeburg West ein. Die US-Truppen bzw. britischen Truppen verließen die Stadt. Nun gehörte Magdeburg zur sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Das Militär besetzte die vorhandenen Kasernen und richtete sich auf eine lange Besatzungszeit ein.

„Пункт техническово обслуживания“ bedeutet übrigens technischer Servicepunkt und damit war in diesem Fall eine Autowerkstatt gemeint. Heute verfällt das alte Kasernengelände.

Es kommen mir persönliche Erinnerungen wieder in den Sinn. 1986 besuchte ich das 197. Garde-Panzerregiment der roten Armee in seinen Kasernen in Halberstadt. Damals war das ein Besuch bei Freunden und natürlich auch bei Siegern. Was ich in diesen Kasernen gesehen habe, war unvorstellbar. Die Soldaten hatten keine einheitliche Uniformen. Die ganze Truppe war bunt durcheinander gekleidet. Bunt trifft es nicht wirklich. Oft waren es Lumpen. Es sah elendig aus.

Die körperliche Verfassung der Soldaten war allerdings alles andere als elendig. Die sowjetischen Soldaten, egal ob sie mongolische oder europäische Gesichtszüge hatten, waren top trainiert. Ich mochte mir nicht vorstellen, einen dieser Kämpfer in einem Schützengraben als Gegner zu haben.

Die Mannschaftsunterkünfte waren extrem spartanisch. Die Schlafräume waren riesig. Allerdings schliefen dort auch 20 bis 40 Mann in einem Raum. An der einen Seite war der Fußboden aufgestemmt. Es hingen Seile bis in die Etage darunter. An den Knoten der Seilen hingen die Uniformteile der Soldaten. So konnten sie schnell ein Teil nach dem anderen anziehen.

Einen Schrank oder Spind hatte ein einfacher Soldat nicht. Jeder Soldat hatte nur ein Bett und einen kleinen Nachttisch. Es hieß immer, dass jeder wehrpflichtige sowjetische Soldat nur einen persönlichen Gegenstand besitzen durfte. Ob das wirklich stimmte, kann ich nicht sagen. Die sowjetische Wehrpflicht bestand für 2 Jahre. Einen Anspruch auf Urlaub soll es übrigens nicht gegeben haben. Gehört habe ich, dass die Soldaten in Deutschland während ihrer zweijährigen Dienstzeit ein Mal nach Hause zu ihrer Familie durften. Falls es jemand, ganz genau weiß, wäre ein Kommentar toll.

Wenn ich mich jetzt im Mai zurück erinnere, freue ich mich riesig, dass diese Zeit vorbei ist und dass der Ginster blüht.

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Mögen wir uns immer mit Respekt begegnen und den Frieden wertschätzen. Ich wünsche euch Neugierde.

Optimismus – as slow as possible

Es ist wieder Zeit für den Samstagspost.
Am 5. September 2001 begann in Halberstadt eine Aufführung eines eigentlich 29 minütigen Musikstückes. Im Normalfall wäre das nach einer halben Stunde Vergangenheit. In diesem speziellen Fall folgte man jedoch der Tempovorgabe von John Cage, „as slow as possible“. Die Halberstädter strecken das Musikstück auf 639 (!!!) Jahre.

Die 639 Jahre ergaben sich aus der Differenz des Einbaus der ersten großen Domorgel von 1361 im Halberstädter Dom und dem geplanten Aufführungsbeginn im Jahre 2000. Nun kann man sich natürlich vorstellen, dass bei einem so langen Zeitraum teilweise über Jahre nur eine oder wenige Pfeifen benötigt werden. Die Orgel ist somit sehr spartanisch ausgestattet.

Burchard

Klangwechsel, bei denen ein Ton verschwindet oder ein anderer Ton dazu kommt, sind Ereignisse. Der nächste Klangwechsel ist übrigens am 5. September 2020 (!!!). Bis dahin hört man in dem Kloster ununterbrochen die Töne dis‘, ais‘ und e“.

Wer ein Projekt startet, welches erst nach mehr als 20 Generationen sein Ziel erreicht, muss ein Optimist sein. Das ist mal sicher. Genau diese Vorstellung fasziniert mich.

Wir waren mit unseren Kindern in Halberstadt und hoffen sehr, dass sie wiederum mit ihren Kindern Halberstadt besuchen um dem Musikstück zu lauschen.

Wir Optimisten glauben, dass wir tatsächlich das selbe Musikstück hören, wie unsere Urururur….ur-Enkel. Spock hätte das mit Sucherheit „Faszinierend“ gefunden.

Wann lauscht ihr dem längsten Musikstück der Welt? Was haltet ihr von diesem Projekt?

Die unendliche Rundfahrt – Bismarckturm Schnarsleben

Wenn man sich beim Radeln umschaut, sieht man ganz häufig Bismarcktürme. Bismarck ist wegen seiner Bedeutung für die Einigung der Deutschen, für die Einführung der Sozialversicherung oder seiner Russlandpolitik immer einen Post wert. Hier geht es um die nach ihm benannten Türmen.

Es soll 240 Bismarcktürme gegeben haben, von denen es heute noch 173 gibt. Einer steht ganz in der Nähe von Magdeburg auf dem Großen Wartberg zwischen Niederndodeleben und Irxleben. Da wir am 1. April den 200. Geburtstag von Otto von Bismarck feierten, haben wir mal wieder diesen Bismarckturm besucht.

Bismarck

Der Große Wartberg ist mit 145 Metern in unserer Gegend schon ziemlich hoch. So hat man einen tollen Blick über die Stadt Magdeburg. (Karte mit Bismarcktürmen, preußischen Meilensteinen und „Lost Badeanstalten“) Ein Besuch lohnt sich und dann sind da ja noch die anderen 172 Bismarcktürme :-). Zum Beispiel dieser hier.

Wann besucht ihr einen Bismarckturm?

Bitte bleibt neugierig :-).