Mündungsverschleppung?

Flüsse werden im Laufe ihres Seins, wie wir Menschen, bequem. Sind junge Flüsse noch quirlig und erodieren in der Gegend herum, ändert sich das mit zunehmender Existenz.

Flüsse gehen von turbulenten Strömungen in laminare, gleichmäßig lineare Strömungen über. Dann sinken die Partikel, die sie früher gesammelt haben, ab und es kommt zu einer Sedimentierung des Flussbettes und der Uferbereiche. Die Flüsse erhöhen also ihren Uferbereich mit einer Art Damm.

Durch diese nun entstandene Hürde bleibt dem dazu stoßendem Fluss, nennen wir ihn Havel, nichts weiter übrig, als dem größeren Fluss, nennen wir ihn Elbe, parallel zu folgen. Dieses parallele Nebenenanderfließen nennt man Mündungsverschleppung.

Links seht ihr die mündungsverschleppende Havel, in der Mitte einen traumhaften Radweg und rechts die nicht gestört werden wollende Elbe.

Erst nach ca. 20 Kilometern schafft es die Havel in die Elbe zu münden.

Auch wenn das Wetter sehr wechselhaft war, können wir eine Radrunde rund um Havelberg empfehlen. Die hübsche, kleine Hansestadt ist für ihren Dom berühmt.

Ihr verschleppt bestimmt nichts. 🙂 Bitte bleibt neugierig.

Radeln an der alten KBS 267

KBS steht für Kursbuchstrecke. In den Kursbüchern waren alle Eisenbahnstrecken, Bahnhöfe und Fahrpläne abgedruckt. Manch ein Eisenbahner war sehr stolz, dass er das gesamte Kursbuch mit Tausenden von Informationen im Kopf hatte.

Wir starten unsere heutige Radtour in Güsen. Güsen gehörte früher zum Kreis Genthin. Das können wir am alten Bahnhof noch lesen.

Die alte KBS 267 führte von Genthin über Schönhausen bis nach Sandau. Unser nächster Fotostopp ist in Fischbeck. Hier brach 2013 beim zweiten Jahrhunderthochwasser innerhalb von 10 Jahren der Deich. Dieser Deichbruch wurde spektakulär mit dem Sprengen und Versenken eines Schiffes an der Deichbruchstelle geschlossen. Ein Denkstein, eingerahmt von zwei alten preußischen Meilensteinen, erinnert daran.

Weiter radeln wir nach Schönhausen, dem Geburtsort von Bismarck. Darüber haben wir aber schon hier berichtet. Heute folgen wir der alten KBS. Dass hier am Bahnhof Schönhausen (Elbe) im Jahr 2020 überhaupt noch Regionalbahnen halten, grenzt an ein Wunder.

Für uns ist schwer vorstellbar, dass Schönhausen bis 1991 ein intakter Eisenbahnkreuzungs- und Umsteigebahnhof war. Von der Hauptstrecke Stendal-Rathenow konnten die Menschen ihre Reise in Richtung Norden bis nach Sandau sowie nach Süden bis Genthin/Güsen mit einem Triebwagen fortsetzen. Die Bahnsteige dieser „Kleinbahnen“ sind heute noch zu erkennen.

Wir wenden uns weiter nach Norden. Im Wald kündet ein verlassenes Signal von der alten KBS. Die Strecke ist nur noch zu erahnen.

Am ehemaligen Bahnhof Klietz erkennen wir kaum noch den Namen.

Weiter geht es mit dem Fahrrad streckenweise auf der alten Bahntrasse nach Sandau. In Sandau bewundern wir die alte Kirche. Der im Weltkrieg zerstörter Kirchturm wurde erst 2013 wieder aufgebaut.

Wir plauschen mit Gemeindemitgliedern, denen wir den Stolz über ihre Aufbauleistung anmerken. So dürfen wir mit dem Fahrstuhl (!) auf den Turm und werden mit tollen Aussichten belohnt.

„Siehst du da hinten unsere Elbe?“

Am Bahnhof Sandau enden die alte KBS 267 und dieser Beitrag

Bitte bleibt neugierig.

Anachronismus / Traumradeln-Weltchallenge

Am 26. Februar 2020 haben wir zu unserer „Traumradeln Weltchallenge“ aufgerufen. Heute wirkt sie zeitlich deplatziert. Sie wirkt wie ein „Anachronismus“. Trotzdem, ….

… auch wenn wir nicht sorgenfrei durch die Welt radeln können, sind doch die Erinnerungen an tolle Touren möglich. Alte Fotos von der Festplatte sind hier gerne gesehen. Frische Fotos von einsamen Radtouren gehen natürlich auch.

„Hallo Susanne und Frank,

habe vergangene Woche erst die neue Challenge entdeckt und mich erst ein bisschen geärgert, dass ich da nix im Archiv habe… ich bin ziemlich nah an der Grenze zu Holland aufgewachsen, aber die war für uns so normal, dass da nie jemand angehalten hätte für ein Foto.
Also habe ich mich heute mal 200 km aufs Rad gesetzt (wohne nicht mehr so nah dran) und das schöne Dinxperlo/Suderwick besucht. Der Doppel-Ort ist speziell, die Grenze geht quasi mittendurch, auf einer Straße ist der rechte Bordstein deutsch (Suderwick), Fahrbahn und linker Bordstein schon niederländisch. Zeigt also sehr schön, wie Grenzen in Europa aussehen sollten: Offen, fast unsichtbar.
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Was man (deswegen) nicht findet: Ein niederländisches Grenzschild!
Ich bin dann aber ein paar Kilometer weiter fündig geworden, auf Landstraßen ist dann doch Verlass. Witzigerweise hängen am gleichen Mast noch ein paar private Briefkästen.
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Das Bundesrepublik-Deutschland-Schild scheint eher museale Anforderungen zu erfüllen, steht aber tatsächlich an der echten Grenze am alten Schlagbaum. Auf der Landstraße grüßt nur NRW.
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Viele Grüße und danke für die Inspiration zur heutigen Tour,

Goradzilla“

Lieber Goradzilla, statt Teilung wünschen wir uns Briefkästen an jedem Grenzschild. Herzliche Dank für deine Geschichte. Den „Punkt“ für die Niederlande notieren wir sehr gerne.

Bitte bleibt neugierig.

zur Challenge

Schönhausen – Bismarck und die Rote Armee

Letzte Woche radelten wir durch Schönhausen. Schönhausen ist ein kleiner Ort an der Elbe. Hier wurde am 1. April 1815 Otto von Bismarck geboren. Heute zeugen ein Park und ein kleines Museum davon.

Ein paar Meter an der selben Straße weiter treffen wir auf ein jüngeres Zeugnis unserer Geschichte. An der Hauptstraße des Dorfes steht ein Denkmal für die Rote Armee.

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Denkmal für die Rote Armee

„СЛАВА ДОВЛЕОТНОЙ КРАСНОИ АРМИИ 1941 – 1945 г“

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Inschrift auf Denkmal

Vor genau 75 Jahren war der Wahnsinn vorbei. Da kann man schon inne halten.

Trefft ihr auf Ausflügen auch auf Zeitzeugen und habt ihr die Muße zu schauen?

Bitte bleibt neugierig.

Für „ДОВЛЕОТНОЙ“ haben wir keine Übersetzung gefunden. Wenn jemand die genaue Übersetzung kennt, wir würden uns über einen Kommentar freuen.