Optimismus – as slow as possible

Es ist wieder Zeit für den Samstagspost.
Am 5. September 2001 begann in Halberstadt eine Aufführung eines eigentlich 29 minütigen Musikstückes. Im Normalfall wäre das nach einer halben Stunde Vergangenheit. In diesem speziellen Fall folgte man jedoch der Tempovorgabe von John Cage, „as slow as possible“. Die Halberstädter strecken das Musikstück auf 639 (!!!) Jahre.

Die 639 Jahre ergaben sich aus der Differenz des Einbaus der ersten großen Domorgel von 1361 im Halberstädter Dom und dem geplanten Aufführungsbeginn im Jahre 2000. Nun kann man sich natürlich vorstellen, dass bei einem so langen Zeitraum teilweise über Jahre nur eine oder wenige Pfeifen benötigt werden. Die Orgel ist somit sehr spartanisch ausgestattet.

Burchard

Klangwechsel, bei denen ein Ton verschwindet oder ein anderer Ton dazu kommt, sind Ereignisse. Der nächste Klangwechsel ist übrigens am 5. September 2020 (!!!). Bis dahin hört man in dem Kloster ununterbrochen die Töne dis‘, ais‘ und e“.

Wer ein Projekt startet, welches erst nach mehr als 20 Generationen sein Ziel erreicht, muss ein Optimist sein. Das ist mal sicher. Genau diese Vorstellung fasziniert mich.

Wir waren mit unseren Kindern in Halberstadt und hoffen sehr, dass sie wiederum mit ihren Kindern Halberstadt besuchen um dem Musikstück zu lauschen.

Wir Optimisten glauben, dass wir tatsächlich das selbe Musikstück hören, wie unsere Urururur….ur-Enkel. Spock hätte das mit Sucherheit „Faszinierend“ gefunden.

Wann lauscht ihr dem längsten Musikstück der Welt? Was haltet ihr von diesem Projekt?

Die unendliche Rundfahrt – Bismarckturm Schnarsleben

Wenn man sich beim Radeln umschaut, sieht man ganz häufig Bismarcktürme. Bismarck ist wegen seiner Bedeutung für die Einigung der Deutschen, für die Einführung der Sozialversicherung oder seiner Russlandpolitik immer einen Post wert. Hier geht es um die nach ihm benannten Türmen.

Es soll 240 Bismarcktürme gegeben haben, von denen es heute noch 173 gibt. Einer steht ganz in der Nähe von Magdeburg auf dem Großen Wartberg zwischen Niederndodeleben und Irxleben. Da wir am 1. April den 200. Geburtstag von Otto von Bismarck feierten, haben wir mal wieder diesen Bismarckturm besucht.

Bismarck

Der Große Wartberg ist mit 145 Metern in unserer Gegend schon ziemlich hoch. So hat man einen tollen Blick über die Stadt Magdeburg. (Karte mit Bismarcktürmen, preußischen Meilensteinen und „Lost Badeanstalten“) Ein Besuch lohnt sich und dann sind da ja noch die anderen 172 Bismarcktürme :-). Zum Beispiel dieser hier.

Wann besucht ihr einen Bismarckturm?

Bitte bleibt neugierig :-).

Sind wir nicht alle Schildbürger? (Teil 3)- oder Es gibt keine „Kinder“ mehr.

Heute geht es um unsere Sprache. Früher gab es nur Tabletts. Das waren so flache Bretter, auf denen man Geschirr transportieren konnte. Heute ist klar, dass diese Dinger, die auch flach sind, allerdings auf der einen Seite ständig andere Bilder zeigen, einen neuen Namen benötigen. Da bietet sich dann das Wort Tablet an. So haben wir sogar noch ein „t“ gespart.

Wundern tue ich mich allerdings über so manch andere Entwicklung. In der Innenstadt schreiben die Händler etwas von SALE. Sind sie inzwischen in ihrer eigenen Sprache sprachlos?

Das schöne Wort Kinder scheint sich auch keiner mehr leisten zu können. So gibt es offenbar nur noch Kids.

Kids

Was treibt die evangelische Stiftung, sich von „Kindern“ ab- und „Kids“ zuzuwenden?

Unsere Stadt folgt diesem Trend ebenfalls. Vor ein paar Jahren tauchte plötzlich der CITYRING auf.

Cityring

Die Bezeichnung Stadtring wäre doch auch schön und verständlich gewesen. Vielleicht hatte Halberstadt Glück, dass es nicht auch gleich in HALFTOWN oder vielleicht HALFCITY umbenannt wurde.

Natürlich muss sich Sprache verändern und immer wieder der Gegenwart anpassen. Aber, wir haben eine schöne Sprache und wir sollten uns ihrer bewusst sein. Nutzen wir sie mit Spaß und Verstand. Wie seht ihr das? Kennt ihr auch solche Beispiele?

Immer schön neugierig bleiben.

Innovation – Wenn der Osterhase ein Gadget bringt, …

… dann darf man wieder etwas Neues lernen. Wir hatten also mit dem Osterhasen gesprochen und uns eine [Achtung Anglizismaus] Actioncam gewünscht. So hoppelte der Osterhase

Ostern2

durch den Garten und siehe da, nun haben wir dieses Spielzeug:

Hero

Dazu gab es diverse Halterungen für die Brust, den Helm oder auch das Fahrrad. Als Start habe ich die Actioncam auf dem Fahrradlenker montiert und einfach mal laufen lassen. Da bekommt man schon schöne Bilder.

Jaaahaa, beim ersten Mal gibt das vielleicht noch nicht der Welt beste Filmchen, aber da ist perspektivisch bestimmt eine Menge möglich. Sollte sich da etwas entwickeln, dann werden wir berichten.

Immer schön neugierig bleiben.

… und über Anglizismen kann man bestimmt auch noch mal etwas schreiben, oder was meint ihr?

Kommunikation – des Kaisers Handy

Wenn wir so durch unsere Umgebung radeln, treffen wir immer wieder auf Schilder, die auf die preußische optische Telegrafenlinie hinweisen.

Schild

Die Preußen waren sich ihrer westlichen Provinzen am Rhein nicht sicher. Da ist es gut, eine schnelle Kommunikation zu besitzen. So bauten die Preußen durchschnittlich alle 11 Kilometer von Berlin bis Koblenz auf erhöhten Stellen optische Telegrafenstationen. Das heißt es musste Sichtkontakt zwischen den Stationen bestehen.

Preussischer_optischer_Telegraf

Oben auf den Stationen gab es ein Holzgestell mit sechs Armen. Jede Stellung der Arme hatte eine Bedeutung; diese wurde von Station zu Station optisch weitergegeben. So konnte der Kaiser in nur 1 1/2 Stunden eine Nachricht von Berlin nach Köln übermitteln. Es war das Handy der damaligen Zeit. Ich finde das großartig.

Auch damals war es schon so wie heute. Nach ein paar Jahren gab es eine neue Handygeneration. Das morsen kam auf. Wo das alles hingeführt hat, wisst ihr. Das wichtigste ist, dass man kommuniziert, egal über welches Medium. Ich wünsche einen schönen Restkarfreitag.